Montag, 19. März 2012

land und leute

„Einmal wurde ich gefragt, ob es hier eigentlich mehr Reisfelder als Einwohner gibt, ich habe spontan mit „Ja“ geantwortet“

Endlich, nach fast zwei Monaten melde ich mich auch einmal wieder und es tut mir sehr leid für die Verspätung. Das Hauptproblem war, dass es bei uns durch das Dach ins Haus geregnet hat und natürlich genau auf den einzigen Computer im Haus, was für ein dummer Zufall! Na ja, jedenfalls muss ich jetzt immer erst Freunde besuchen, um schreiben zu können. Neulich habe ich festgestellt, dass ich meine Monate in Malaysia jetzt an einer Hand abzählen kann und das hat mir schon sehr zu denken gegeben. Es kommt mir wie ein Monat vor, dass ich am Flughafen meine Familie verabschiedet habe und gleichzeitig wie eine Ewigkeit. Einerseits denke ich oft daran wie es sein wird, meine deutsche Familie und Freunde wiederzusehen, andererseits wird mir ganz anders, wenn ich daran denke, Malaysia auf unbestimmte Zeit zu verlassen.

Zuerst möchte ich noch ein bisschen über meinen Alltag und Malaysia allgemein berichten:

Häuser:
Hier gibt es mehrere Arten von typisch malaysischen Häusern: Einmal die alten Holzhäuser, die auf Stelzen stehen und wirklich nur aus einer Holzboden, -wand und -decke bestehen. In ihnen leben meistens ältere und ärmere Leute. Die Häuser sind sehr warm, nicht besonders sauber und klein. Hier leben zum Beispiel die Ureinwohner Orang Asli, aber auch normale Malayen.


Vor dem Haus meiner Gastfamilie
Außerdem gibt es Bungalows, in denen überwiegend Familien und „moderne“ Leute wohnen. Diese Bungalows besitzen meistens ein Vordach, immer von verzierten Säulen gestützt, damit man auch bei Regen draußen sitzen kann, sind aus Stein gebaut und haben Klimaanlagen und Ventilatoren, die bei den beständig hohen Temperaturen äußerst wichtig sind. Außerdem werden sie in verschiedenen Farben angestrichen und sehen von außen wirklich schön aus. In solchen Häusern leben die meisten Austauschschüler mit ihren Gastfamilien, ich eingeschlossen.

Und es gibt die Longhouses, eine Art Reihenhaus, allerdings auf Stelzen und normalerweise aus Holz gebaut, in denen die wirklich armen Menschen leben. Ich habe Freunde in einer solchen Siedlung besucht und das ist sehr krass. Die meisten dort lebenden Menschen haben früher ein besseres Leben geführt, jedoch ist dann z.B. ihre Siedlung abgebrannt und sie sollten eigentlich übergangsweise in die Longhouses ziehen, bis der Staat ihnen neue Häuser zuordnet. Allerdings leben die Menschen dort jetzt schon über 10 Jahre und die Lebensumstände sind sehr hart. Die einzelnen Wohnungen sind zwischen 20 und 30 qm groß, in denen mehrere Generationen zusammenleben. Bedingt durch die kleinen Häuser sind die Straßen voll mit Menschen, jeder Quadratmeter wird ausgenutzt und wenn es nur ist, um sich mit einer Matte auf den Boden zu legen oder seine Hängematte aufzuhängen.

Zu den Häusern allgemein möchte ich sagen, dass sie – wie vieles hier – auch zum Vorzeigen benutzt werden. Viele Leute beurteilen die Familien danach, ob sie ein großes Haus in einer guten Gegend haben oder nicht. Deswegen haben viele Häuser auch die „Vorzeigeräume“, so auch meine Familie. Das heißt einen großen Raum mit teuren Möbeln, Fernseher und Knabbersachen auf dem Tisch, alles, um sich den Besuchern so gut wie möglich zu präsentieren. Die eigentlichen und auch tatsächlich benutzten Wohnzimmer sind dann (bei mir jedenfalls) ziemlich klein, aber belebt, man hält sich dort wirklich den ganzen Tag auf.

Fernsehen:
Der Fernseher spielt hier eine große Rolle! Er wird angeschaltet, wenn man ins Haus kommt und er läuft so lange, bis der letzte aus dem Haus geht. Ich wundere mich auch nicht mehr, wenn mitten in der Nacht der Fernseher angeschaltet wird, weil meine Schwester aufgewacht ist oder so. Es gibt hier zehn Standardprogramme, alle anderen muss man kaufen. Von diesen zehn TV-Programmen funktionieren im Schnitt aber nur fünf, da der Empfang von Fernseher, Internet und Radio vom Wetter und den Wolken abhängig ist. In manchen Häusern geht der Fernseher gar nicht mehr, bei uns ist er verpixelt, manchmal fällt eine Farbe aus, wirklich nervig. Im Fernsehen laufen dann die typisch malaysischen Serien, in denen es um Liebe, (Zwangs)Heirat, Streit mit den Eltern, die Ehre und natürlich Unfälle und den Tod geht. Die meisten Kanäle sind muslimisch, allerdings laufen auch manchmal Bollywood-Filme/Musik oder chinesische Serien. Ich kann mich hier mit dem Fernsehen zur Unterhaltung gut anfreunden und das ist auch notwendig, da man mit der Familie gemeinsam schaut. Nach der Schule wird z.B. eine Serie geschaut, dann von 18-19 Uhr und von 20-21 Uhr Nachrichten und anschließend entweder wieder Serien oder manchmal amerikanische Filme, allerdings nur die sehr berühmten, die ich normalerweise schon kenne.

Restaurants:


Die Küche eines Restaurants
Es gibt hier an jeder Straßenecke typische Restaurants, in denen es eigentlich immer dasselbe Essen gibt. Die Restaurants sind für europäische Verhältnisse sehr günstig, ein Essen kostet nicht mehr als 5-6 Ringgit, das sind dann 1 – 1.50 Euro, jedoch sind sie auch nicht mit europäischen Restaurants zu vergleichen. Die Küchen sind alles andere als hygienisch, man sitzt auf Plastikstühlen, muss oft zum Bestellen und Bezahlen aufstehen und bekommt das Essen auf Plastiktellern serviert. Aber ich finde es insgesamt besser als in Deutschland, da man viel unabhängiger ist, wenn man was essen will: Man weiß schon was es gibt, es ist nicht so teuer und ausnahmslos lecker! Mein Lieblingsessen ist: Nasi Goreng Kampung (Gebratener Reis mit Ei) mit Ikan Bilis (eine kleine salzig-gebratene Fischart), Mi Goreng (gebratene Nudeln), Pulut Ayam (klebriger Reis mit Hühnchen), natürlich die Standard-Frühstücksgerichte Nasi Lemak (Reis mit Chillisoße, Ikan Bilis, Erdnüsse und Ei), und Roti Canai (mehrschichtige Crêpe mit Currysoße oder Honigmilch). Jedenfalls ist alles total lecker und ich weiß jetzt schon, dass ich das gute Essen hier sehr vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin.

Religionen:
Das in Malaysia so viele Religionen zusammenstoßen ist einerseits sehr schön, gerade auch für Austauschschüler, da wir alle Feste mitfeiern können und viel über die Religionen lernen können. Allerdings ist nicht alles so übereinstimmend, wie es von außen betrachtet immer aussieht. Natürlich versucht die Malaysische Regierung – wie viele andere asiatische Länder – nach außen hin einstimmig und gut dazustehen, aber wenn man länger hier lebt, mit verschiedenen Leuten zu tun hat und die Sprache versteht, bekommt man dann doch auch Unstimmigkeiten mit. Die Muslime beschweren sich darüber, dass die Chinesen besser wirtschaften als sie und deshalb oftmals reicher sind, Inder und Chinesen wollen mehr politische Macht und so weiter. Es ist bei all den verschiedenen Meinungen nicht immer leicht für mich, unparteiisch zu bleiben. Als „Weißer und Unwissender“ sollte man sich lieber aus diesen Sachen heraushalten, genauso wie nie etwas Negatives sagen. Trotzdem gibt es viele Dörfer, in denen alle Kulturen zusammenleben und zusammen Feste feiern, was eine tolle Atmosphäre ist und die Kinder dann auch richtig gute Freunde haben, die nicht derselben Religion angehören.

Wir Ausländer sind wirklich überall herzlich willkommen und man hat nichts dagegen, wenn wir muslimische, indische und chinesische Freunde haben – meistens jedenfalls. Aber all diese Kulturen sind das Wunderbare an Malaysia, denn damit erleben wir einfach viel mehr und man wird noch offener für die anderen Religionen (auch wenn es nicht immer von den Malayen so vorgelebt wird).


Satu Malaysia eins
Aber ich muss betonen, dass es auch viele Leute gibt, die sich für das Völkerverständnis einsetzen, die Religion als – wie ich auch der Meinung bin – einen Weg zum Frieden sehen und nicht zum Streit, und die sich dafür einsetzen, dass der Staat auch innerhalb und komplett Satu Malaysia (Ein Malaysia) wird.

Zum Beispiel war ich Anfang Februar „Thaipusam“ feiern, von dem ich später noch mehr erzählen werde.

Sport:
Endlich ist es mir gelungen, dass ich Sport machen kann! Ich spiele jetzt dreimal in der Woche Handball und zwar in der besten Mannschaft in meinem Bundesland, was man allerdings nicht mit dem europäischen Niveau vergleichen kann. Die Mannschaft spielt ungefähr genauso gut wie meine Mannschaft in meiner Stadt in Deutschland, aber ich freue mich total darüber, da mir Sport hier zwischen den ganzen Essorgien einfach fehlt! Die Mannschaft besteht aus 70% Chinesen und der Rest Muslime, obwohl hier in Perlis die meisten Menschen muslimisch sind. Aber es ist nicht leicht für streng-muslimische Mädchen Sport zu machen. Allein schon, da die Eltern es nicht immer erlauben, ein Kopftuch beim Sport behindert und nicht jeder einen Transport findet, damit man zum Stadium kommt.

Natur:


Perlis mit Reisfeldern
Malaysia besteht hauptsächlich aus Plantagen für Palmen, aus denen dann Öl gewonnen wird. Es ist wirklich merkwürdig, wenn du durchs Land fährst und immer nur auf diese Palmen schaust, sie sind einfach überall. Ich habe mich schon gewundert, als ich angekommen bin, warum das ganze Land von oben einfach nur grün aussieht. Allerdings gibt es hier auch riesige Dschungelreservate und unzählige Reisfelder. Die Natur in Perlis gefällt mir richtig gut! Hier gibt es fast nur Reisfelder, jedoch auch viele kleine Berge, die einfach mal so ohne Anhang irgendwo aus der Erde herausragen und es wachsen hier  viele Kokosnusspalmen, Bananenbäume und Mangobäume. Außerdem gibt es in Perlis die größten zusammenhängenden Zuckerrohrplantagen Südostasiens, besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass Perlis das kleinste Bundesland in Malaysia ist. Und was mich zuerst verwundert hat, dass Bananen hier noch Kerne haben: Sie sind erbsengroß, hart und schwarz, und es ist ziemlich unangenehm auf einen zu beißen, wenn man ihn nicht vermutet

Sprachen:
Hier kommt eine kleine Einführung mit den wichtigsten Wörtern in BM, Bahasa Melayu, Malaysisch:

Selamat pagi  →  Guten Morgen
Sudah makan? → Schon gegessen (wird verwendet wie) :
Apa khabar? → Wie geht’s?
Khabar baik → Mir geht’s gut
Saya nak makan → Ich möchte essen
Sepap → Lecker
Nama saya Sophie → Ich heiße Sophie
Pandai cakap bahasa melayu? → Kannst du malaysisch reden?
Sikit-sikit → Ein bisschen
Terima kasih → Danke
Sama-sama → Gern geschehen

Und natürlich das, was immer am besten ankommt: Freundlich lächeln und zeigen, dass man sich Mühe gibt

Musik:
Die Musik ist hier natürlich auch überwiegend asiatisch geprägt. Es gibt malaysische Lieder, aber auch chinesische und indische, die stark an Bollywood erinnern.

Alltag:
Mein Alltag ist nicht sehr spannend, aber für mich inzwischen genauso normal wie der etwas hektischere Alltag in Deutschland. Nach der Schule gehe ich ein zweites Mal duschen, danach (Reis) essen und fernsehen, lesen und dann ein bisschen ausruhen, abends wieder essen und mit meiner Familie fernsehen. Gegenüber Deutschland nicht sehr ergiebig und das war wahrscheinlich das Schwierigste für mich. Die Abwechslung in Malaysia ist im täglichen Leben nicht so groß wie in Deutschland, man muss sich selbst beschäftigen und das Beste daraus zu machen. Man gewöhnt sich allerdings sehr schnell an die Ruhe und Gelassenheit Malaysias.

gong xi fa cai :)

Also: Hier mit fast 2 Monaten Verspätung dann mal der Bericht, tut Mir echt Leid, dass es so lange gedauert hat, es hat reingeregnet und natürlich auf den einzigen Pc im Haus...
Ende Januar fuhr ich dann wieder mit Daniela, einer anderen deutschen Austauschschülerin, mit der ich meistens auf Reisen gehe, nach Kuala Lumpur, um dort Chinese New Year (CNY) zu feiern. CNY wird jedes Jahr ca. Ende Januar bis Anfang Februar gefeiert, je nachdem, wie der Kalender fällt. Dieses Jahr wurde es am 23.1. gefeiert. Für eine Woche sind wir von der chinesischen Familie eingeladen worden, um CNY mit ihnen zu feiern und um ein wenig chinesische Kultur schnuppern zu können. Also wurden wir am 21.1. von der Mutter und Tochter in KL abgeholt und sind natürlich gleich Essen gegangen – mitten in Chinatown von KL Und wir haben tatsächlich, wie man es von Filmen und so kennt, Reis aus kleinen Schälchen mit Stäbchen gegessen, dazu verschiedene Beilagen und chinesischen Tee. Früher habe ich mich immer gewundert, wie man von einer kleinen Schale Reis satt werden kann, aber da man so viele Beilagen und verschiedene Fleischarten testet, ist es manchmal sogar schwer, die ganze Schale leer zu essen. Chinesisches Essen find ich persönlich jetzt nicht so lecker, da es aus vielen weichgekochten und zusammengemischten Gemüse- und Fleischarten besteht und die Soßen meistens sehr mächtig und fett sind, was ich gar nicht mag!


Daniela und ich im Cheongsam
Am nächsten Tag fuhren wir dann in verschiedene Shoppingcenter, damit Daniela und ich uns einen Cheongsam kaufen konnten. Ein Cheongsam ist ein traditionelles chinesisches Kleidungsstück, was am besten eng anliegend ist, die Traditionellen gehen bis zu den Knöcheln, die Modernen, die wir gekauft haben, allerdings nur bis zu den Knien. Typische Merkmale von einem Cheongsam ist der hochgeschlossene Kragen und und der Knopfverschluss, der entweder frontal oder vor der Schulter  liegt. Ich war wirklich überrascht, dass ich einen Cheongsam in meiner Größe gefunden hab, da ja eigentlich alle Chinesen um einiges kleiner sind, aber ich hatte zum Schluss sogar noch Auswahl .


Chinesischer Löwentanz
In dieser Shoppingmall haben wir dann auch einen Löwentanz gesehen. Hier verstecken sich  Menschen unter Löwenmasken und Kostümen, die diese so bewegen, dass es wie ein Tanz aussieht. Sie verteilen Mandarinen an die kleinen Kinder, mich hat es etwas an Fasching erinnert. Diese Löwen nennt man Glückslöwen.

CNY wird nicht – wie bei uns Silvester – um Mitternacht gefeiert, sondern erst am nächsten Morgen, sodass wir dann am 23.1 morgens zur Großfamilie gefahren sind, um den Beginn vom „Jahr des Drachens“ zu feiern. Es ist ein Zwölf-Jahresrhythmus, der  jedem Jahr ein Tier zuordnet und auch oft als Horoskop für die in diesem Jahr geborenen Menschen gilt, der die Tiere bestimmt. Diesen Rhythmus habe ich euch hier aufgeschrieben:

1.    Ratte → angriffslustig
2.    Büffel → sanft
3.    Tiger → verwegen
4.    Hase → gutmütig
5.    Drache → geistreich
6.    Schlange → schlau
7.    Pferd → ungeduldig
8.    Schaf → artig
9.    Affe → wendig
10.    Hahn → stolz
11.    Hund  →  zuverlässig
12.    Schwein → ehrlich

Zu CNY gibt es eine Legende, die uns von unserer chinesischen Gastmutter erzählt wurde. Diese Geschichte erzählt von einem Dorf, das jedes Jahr von einem menschenfressenden Monster heimgesucht wird und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Irgendwann besucht ein Mann das Dorf und fragt nach einer Unterkunft für ein paar Nächte. Er wird natürlich gastfreundlich aufgenommen, jedoch wird er auch vor dem Monster gewarnt. Der Mann erklärt, dass er weiß, wie man das Monster bekämpfen kann und er deutet den Menschen an, dass sie rote Kleidung tragen sollen und so viel wie möglich rote Farbe für ihre Häuser und Straßen verwenden sollen, da die Farbe Rot das Monster abschrecken soll.  Als dann das Monster in das Dorf kommt, zündet der Mann Feuerwerke an, alle Menschen sind auf den Straßen, machen zusätzlich Lärm und alles ist rot: Das Monster erschreckt sich und hat Angst, sodass es verschwindet und nie wiedergekommen ist. Da dieser Tag dann „Tag des Gehens des Monsters“ genannt wird, was wohl etwas ähnliches wie Neujahr heißt, wird an diesen Tagen Neujahr gefeiert.  Wegen dieser Legende sind auch die traditionellen Farben von CNY rot, aber auch Gold, die Farbe der Feuerwerke, während dunkelblau und schwarz für die Dunkelheit stehen und nicht willkommen sind. Außerdem sieht man überall die chinesischen Lampions.


Ang Pow Umschläge
Um das Glück, das man über Neujahr bekommt, nicht direkt wieder wegzuwischen, darf man die ersten Tage des Neuen Jahres  nicht putzen. Außerdem sollte man in der Neujahrsnacht die Fenster geöffnet lassen, damit das Glück hereinkommen kann und das Licht anlassen, damit die Monster abgeschreckt werden und nicht hereinkommen wollen. Die ersten Tage des neuen Jahres haben wir verschiedene Verwandte besucht, viel chinesisches Essen gegessen und natürlich Ang Pow gesammelt. Dieses sind bunte Umschläge mit kleinen Geldbeträgen, die an noch nicht verheiratete Gäste und Kinder verteilt werden.


Die Kerzen im Tempel
Außerdem wird traditionell zum Neuen Jahr Yee Sang gegessen, eine Art Salat, aber auch mit Fisch und Wan Tan, das sind chinesische Teigtaschen, Soßen (Reisessig, Pflaumensoße & Sesamöl) und verschiedenen Nüssen. Das Gericht wird dann von allen anwesenden Leuten mit Stäbchen durchgemischt. Während die älteren Menschen laut ihre Wünsche aussprechen, wünschen sich die Jüngeren etwas im Stillen.

Außerdem haben wir einen schönen buddhistischen Tempel besucht, um Kerzen für die Familie anzuzünden. Auf diese schreibt man dann zuerst die Namen, dann wurden wir mit den Kerzen gesegnet und schließlich werden die Kerzen angezündet.

Also, ich wünsche euch allen ein gesundes und frohes Jahr des Drachens,

Sophie

Donnerstag, 9. Februar 2012

Silvester am Strand ;)

Zwei Tage nachdem ich dann wieder Zuhause (Kangar/Perlis) angekommen bin, fuhr ich mit den anderen Austauschschülern noch einmal nach Langkawi (Insel), um dort Silvester zu feiern :) . Insgesamt waren wir dann 8 Deutsche, 3 Italiener, 2 Belgier, ein Ungar und die Gastfamilie von einer Belgierin, bei der wir alle gewohnt haben. Es war wirklich toll, wir haben für die Zeit in einem kleinen Haus gelebt, insgesamt ca. 20 Menschen, in der Nacht hat die Hälfte auf dem Boden geschlafen und wir haben das ganze Wohnzimmer gebraucht, um alle zusammen auf dem Boden essen zu können.
Baden am Wasserfall (Silvester/Langkawi)
Da ist wieder diese unglaubliche Gastfreundschaft, über die ich immer wieder staunen kann! Die Tochter der Gastfamilie, die auch freiwillig bei AFS arbeitet, hat uns dann Langkawi gezeigt. Wir durften zum Beispiel zusammen bei einem Wasserfall schwimmen gehen, neben dem die Familie ein Restaurant hat, sodass wir zuerst bei ihnen gegessen und schließlich im extrem kaltem Wasser gebadet haben.
Und wir haben auf Langkawi auch Silvester in dem Hotel gefeiert, in dem die Gasttochter arbeitet. Dort gab es ein riesiges Buffet mit wirklich allem, was das Herz begehrt. Natürlich Roti Canai (indisches-malayisches „Brot“, ich würde es eher als eine Art gefaltete Crèpe bezeichnen mit Currysoße und Fleisch oder mit einer süßen „Milch“, schmeckt wie ein Milch-Honig-Sirup-Gemisch, aber sehr lecker und süß) und andere malaysische Spezialitäten, aber auch italienisch mit Lasagne und Spaghetti, Fisch-, Wurst-, Brot- und Käseplatten (es tat unglaublich gut, mal wieder gutes Brot und so weiter zu essen, da es das normalerweise hier nicht gibt), alle Arten von Meeresfrüchten, arabische Spezialitäten und gegrilltes Fleisch. Zusätzlich eine tolle Auswahl an Früchten, als Nachtisch Kuchen und verschiedene kleine süße Teilchen, Eis und so weiter. Nach diesem wunderbaren Essen waren wir dann am Strand und haben den ganzen Abend bei Livemusik getanzt und die letzten Stunden von 2011 genossen. Um Mitternacht standen wir am Strand, haben die Feuerwerke von mehreren Hotels am Strand beobachtet und sind dann wieder tanzen gegangen. Ein „etwas“ anderes Silvester, wie ich es von Deutschland gewohnt bin :)

Weihnachten bei 30 Grad ;)

Merry Christmas and a happy new year,

Selamat hari krismas dan selamat tahun baru,

Frohe Weihnachten und ein frohes Neues Jahr :)

Als erstes möchte ich noch verspätet über meine Advents- und Weihnachtszeit hier in Malaysia berichten. Vom Advent habe ich nämlich dieses Jahr nicht viel gemerkt. Bei schwülen 30 Grad, mit einer muslimischen Familie, keinen Weihnachtsplätzchen, ganz zu schweigen von einem Adventskranz oder ähnlichem, ist es wirklich schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber ich habe einen lieben Adventskalender aus Deutschland geschickt bekommen, also konnte ich mir immerhin ungefähr vorstellen, dass ich normalerweise jetzt Kerzen anzünden, auf Weihnachtsmärkte gehen, Plätzchen backen und den letzten Schulstress vor den Ferien bewältigen würde. Und ich habe realisiert, wie die Zeit rast, da ich in den ersten 2 Wochen der Adventszeit noch in den Schulferien verreist war (letzter Bericht).
Meine Großfamilie und ich (lila Kopftuch vorne links) auf der Hochzeit
Schließlich bin ich am 23. Dez. 2011 mit meiner Gastfamilie nach Kuala Lumpur gefahren, da am 24.12. (ja, an Heiligabend) ein Cousin meiner Familie geheiratetet hat und meine Familie eingeladen war. Also saß ich am Weihnachtsmorgen im Baju Kurung (trad. muslimische Kleidung) und mit Kopftuch im Auto, um – normalerweise zwei, da aber Feiertag war drei Stunden – nach Negeri Sembilan, einem anderen Bundesland zu fahren. Eigentlich ist es nicht direkt die Hochzeit, sondern eine Art Feier nach der Hochzeit, genannt Kanduri, bei der alle Verwandten und Bekannten zusammenkommen und dort das typische Kanduri Essen genießen: Reis mit Curry (Hühnchen mit Currysoße und Kartoffeln), Rendang (Rindfleisch in Soße) und dieses Mal sogar gegrilltes Rehfleisch. Die Kanduri läuft dann ab wie immer (ich gehe ungefähr alle 2 Wochen auf eine): Zuerst müssen wir das Haus finden, da wir meistens noch nie bei der Familie zu Besuch waren, ist aber kein Problem, da manchmal schon Straßen davor die Autos Schlange stehen. Sind wir dann angekommen, gehen wir zuerst die Elten begrüßen, dann sucht man sich einen Platz unter den Zelten (diese haben meistens sogar Ventilatoren) und geht dann zum Büfett, um sich sein Essen zusammenzustellen. Dann isst man, redet mit Freunden oder anderen Verwandten, nach dem Essen geht man dann ins Haus, um die Braut und den Bräutigam zu sehen, Fotos zu machen und die Geschenke zu bestaunen. Danach bekommt man ein kleines Dankeschön-Geschenk, wie meistens ein paar kleine Schokoladen oder Taschentücher oder Bonbons, in kleinen bunten Schächtelchen.
Meine Nichte und ich auf der Hochzeit
Danach sind wir dann wieder nach Hause (in diesem Fall die Wohnung eines Schwagers in KL) gefahren, was allerdings alles andere als angenehm war, da meine Familie mit zwei Autos gefahren ist und das andere Auto in einen Unfall verwickelt wurde. Zwei Autos sind auf der Autobahn miteinander kollidiert und alle Beteiligten hatten großes Glück, dass niemand ernsthaft verletzt wurde, obwohl nur der Fahrer angeschnallt war … Deshalb mussten wir dann erst einmal zur Polizei, um einen Bericht zu erstatten. So etwas dauert normalerweise an Feiertagen ziemlich lange, da wir jedoch gute Kontakte hatten, waren wir nach ‘nur’ zwei Stunden fertig. Anschließend mussten wir dann das Auto in eine Werkstatt bringen (die natürlich an Weihnachten um 21 Uhr geschlossen war), haben hier dann noch einmal eine Stunde gewartet, anschließend das Weihnachtsessen auf der Raststätte eingenommen und sind dann schließlich um halb zwölf in der Wohnung des Schwagers angekommen, wo wir alle total erschöpft schlafen gegangen sind. Ich hatte mich eigentlich darauf vorbereitet, an Weihnachten richtiges Heimweh zu bekommen und das der Tag wirklich schwer würde, aber überraschenderweise hatte ich keine Probleme, was vielleicht daran liegt, dass es einfach so anders war, dass ich gar keine Chance hatte, an Weihnachten zu denken. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, dass meine Schwestern mir am nächsten Tag kleine Geschenke überreicht haben und wir in eine Shoppingmall gefahren sind, in der eine Weihnachtsausstellung war :)

Freitag, 27. Januar 2012

Lange Ferien (2 Monate) :D

Am 18.11. haben in Malaysia die langen Schulferien angefangen, hier hat man im „Winter“ fast zwei Monate Ferien, Malaysia ist eines der Länder, die die meisten Ferien haben, da hier so viele Feiertage sind, so dass man fast jeden Monat Ferien hat :). Für die Ferien wurde ich erneut von Danielas Familie eingeladen, da sie nach Pahang (Größter Bundesstaat) ihre Großfamilie besuchen wollten. Zuerst sind wir jedoch nach Kuala Lumpur gefahren, um dort den Abschluss von Danielas Gastschwester zu feiern, sie war auf dem GMI (German-Malaysian Institut). Wir besuchten sie dort jedoch nur für einen Tag, da wir schon am nächsten Tag in Pahang nach Taman Negara fahren wollten, den größten Nationalpark von Malaysia und eines der ältesten Dschungelgebiete der Welt. Leider wird – wie fast überall – immer mehr von den Regenwäldern abgeholzt, so wie auch hier in Malaysia, weshalb wir, bevor wir überhaupt den Dschungel sehen konnten, erst einmal durch ein riesiges Plantagengebiet fahren mussten. Ungefähr eine halbe Stunde sind wir dann nur auf einer kleinen Straße durch die Plantagen gefahren, meistens Kokospalmen. Manchmal sieht man Kühe an den Straßenrändern und hier gibt es sogar ein ‘Achtung Kühe’ Verkehrsschild.
Anlegestelle zum Überqueren des Flusses
Als wir dann angekommen waren, sind wir natürlich erst einmal auf einem kleinen Boot, das an der Anlegestelle für die kleinen Speedboote zum Überqueren des Flusses angelegt hat, Essen gegangen. Traditionelles Essen von Pahang: Fisch in Duriansoße (Durian ist die Nationalfrucht von Malaysia, genannt auch „Stinkfrucht“). Auf der anderen Seite des Flusses war dann der Nationalpark, jedoch sind wir erst mit einem kleinen Motorboot den Fluss entlanggefahren, um die Ureinwohner Orang Asli (wörtlich übersetzt: traditioneller Mensch) zu sehen. Das Dorf, das wir dann besucht haben, war zwar nachgebaut, jedoch waren die Menschen echte Ureinwohner, die dafür Geld bekommen, wenn sie Touristen ihren Lebensstil zeigen.
Ureinwohnerhaus
Allerdings leben immer noch echte Orang Asli in Taman Negara, sie sind die einzigen, die dort leben dürfen, da sie die Natur nicht zerstören. Sie leben in kleinen selbstgebauten Hütten mit Blätterdach, die ca. 4 qm groß sind, aus einem Raum bestehend und auf einer großen Erhöhung stehend, damit die Insekten nicht zu den Schlafplätzen kommen. Der Waschraum besteht aus einem Eimer mit Schöpfer, mit dem man sich duschen und waschen kann. In der Siedlung, die wir gesehen haben, war der Waschraum an einem Abhang, damit das Wasser gleich abfließen kann. Richtig schlimm, wenn man bedenkt dass Leute immer noch so leben ! :O
Auf Affenjagd
Außerdem wurde uns von den Ureinwohnern gezeigt, wie ihre Vorfahren Affen gejagt haben. Sie benutzen ein zwei Meter langes Blasrohr, in das giftige Pfeile gesteckt wurden, die, wenn man geübt ist, ziemlich schnell fliegen können und mit denen man sehr genau zielen konnte. Wir durften auch alle einmal ausprobieren auf ein an einer Holzwand aufgehängtes Kuscheltier zu schießen, jedoch habe ich es nicht einmal bis zur Wand geschafft ;)
Elefantenreiten
Am nächsten Tag besuchten wir ein Elefantenressort, wo wir die wunderbare Chance hatten auf einem Elefanten zu reiten und normalerweise auch mit ihnen zu baden. Leider führte der Fluss zu viel Wasser, also konnten wir ‘nur’ reiten, was allerdings richtig super war. Der Elefant schaukelte bei jedem Schritt hin und her, allerdings richtig langsam und gemächlich, trotzdem kam man ziemlich schnell voran. Es ist ein tolles Gefühl und ich konnte gar nicht aufhören zu grinsen, da es wirklich ein einmaliges Gefühl war!
Nachdem wir zehn Tage in Pahang verbracht haben, besuchten wir anschließend eine weitere Austauschschülerin in Johor, ein Bundesstaat im Süden von Malaysia. Wir haben bei ihr bzw. ihrer Gastfamilie fünf Tage, rund um den zweiten Advent, verbracht. In dieser Zeit sind wir u.a. in eine presbyterianische Kirche gegangen und haben an einer Messe teilgenommen, da wir alle, seit wir in Malaysia sind, nicht einmal die Chance hatten, in eine christliche Kirche zu gehen. Außerdem kommt bei 30 Grad Celsius und Sonne den ganzen Tag hier wirklich überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Die Kirche sah schon von innen und außen ganz anders aus, wie wir es von Kirchen aus Deutschland gewohnt sind. Sie war sehr schlicht, keine Bilder und keine Verschnörkelungen.
In der Presbyterianischen Kirche
Aber der Gottesdienst hat uns sehr überrascht, die erste halbe Stunde haben wir nur Lieder auf malaysisch gesungen, allerdings nicht im Sitzen und ruhig, sondern mit richtig lauter Musik. Manche Leute haben getanzt, jeder hat gelacht, die Malayen haben sich gefreut, ‘Weiße’ im Gottesdienst zu sehen und jeder war gut drauf. Der eigentliche Gottesdienst danach war für uns eher langweilig, da wir nicht viel verstanden haben, aber die Stimmung in der Kirche war einfach super! Nach der Kirche gab es draußen noch etwas Kleines zum Essen und Trinken, natürlich wurden wieder Fotos gemacht und wir haben nette Leute in unserem Alter kennengelernt.
Im Anschluss an Johor sind wir direkt nach Kuala Lumpur (KL), der Hauptstadt von Malaysia, weitergefahren, da wir dort unser AFS-Midstay-Camp hatten. Allerdings hat das nicht direkt in KL stattgefunden, sondern in einem Dschungelreservat etwas außerhalb. In den Dschungel sind wir zwar nicht – wie ursprünglich geplant – gegangen, da es in Strömen geregnet hat. Spaß hat das Camp aber trotzdem gemacht! Ich denke, dass das jeder Austauschschüler von AFS bestätigen kann: Es ist einfach toll, mit Leuten aus anderen Ländern seine Erfahrungen zu teilen und zu vergleichen, Spiele zu spielen, Vorbereitungen für das zweite Halbjahr zu treffen und einfach Spaß zusammen zu haben.
Petronas Towers
Danach haben Daniela und ich noch eine Woche in Kuala Lumpur bei einer Gastfamilie verbracht, die mit uns wunderbares Sightseeing rund um KL gemacht hat. Es ist viel angenehmer mit Einheimischen die Stadt zu besichtigen, da sie uns ihre Lieblingsplätze, Restaurants und anderen Sachen zeigen, in die man sonst nie kennengelernt hätte. Außerdem durften wir mit unserer Gastfamilie in KL die bekannten Petronas Twin Towers, die mit 452 Metern höchsten Twin-Towers der Welt, besichtigen und in den 86. Stock fahren, was nur wenige Malayen jemals erlebt haben (da es u.a. zu teuer wäre bzw. unser dortiger Gastvater in den Towers gearbeitet hat). Von dort aus konnten wir ganz KL überblicken und bekamen Erklärungen zu allen wichtigen Gebäuden, wie zum Beispiel ein riesiges und richtig langes Gebäude, das noch aus der Zeit stammt, als Malaysia eine britische Kolonie war.
Außerdem waren wir bei den jungen Malaysischen Philharmonikern, die an diesem Freitagabend unter dem Motto: ‘Friday Night is Music Night’ klassische, aber auch moderne Musikkompositionen gespielt haben, unter anderem die Titelmusik von James Bond, Harry Potter und Fluch der Karibik, aber auch alte malaysische Stücke und wiederum klassische aus der britischen Kolonialzeit, das heißt es war wirklich für jeden etwas dabei! Dieses Konzert war wirklich wunderschön, es war für mich das beste Erlebnis, was ich in der ganzen Zeit in KL hatte, da es einfach etwas ganz Besonderes war!
Das war es erst einmal wieder von mir, viele Grüße aus dem immer-warmen Malaysia,
Sophie

Penang :)

Da ich schon öfters Daniela, eine weitere deutsche Austauschschülerin aus Kangar, und ihre Gastfamilie besucht habe und dort auch schon ein paar Tage gelebt habe, durfte ich mit Daniela, ihrer Gastschwester und Kathi, einer anderen Deutschen, die hier in Malaysia Freiwilligendienst mit AFS macht, die Cousine von Danielas Gastschwester für ein Wochenende in Penang besuchen. Penang ist ein Bundesstaat an der Westküste von Malaysia. Die Cousine lebt in Georgetown, auch die Perle der Orients genannt, einer zwar touristischen Insel, die aber ein altes, koloniales Zentrum besitzt, in dem noch immer die asiatische Atmosphäre vorhanden ist. Dort leben außerdem wirklich viele Chinesen und Inder, die drei bekanntesten und am meisten verbreitetesten Nationalitäten in Malaysia (im Gegensatz zu den meisten Regionen in Malaysia, in denen normalerweise viel mehr Malayen als Inder und Chinesen leben).
Der Engländer Sir George Leith schrieb Anfang 19.Jahrhundert über Penang:
„Es gibt wohl kaum in irgendeinem Gebiet der Welt einen so kleinen Ort, in dem so viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Nationalitäten leben und in dem eine solche Vielzahl an Sprachen gesprochen wird.“
Und ich finde, der Spruch passt richtig gut :)
Weg zum Tempel
Außerdem ist Georgetown die Hauptstadt von Penang. Dort gibt es den größten Buddhistischen Tempel von Malaysia, der Kek Lok Si-Tempel, den wir natürlich besichtigt haben. Der Tempel liegt auf einem kleinen Berg, also mussten wir uns erst einmal durch tausende kleine Souvenirläden kämpfen, was wirklich anstrengend ist, da die Händler wirklich allen Platz nutzen, den man irgendwie bekommen kann. Das heißt: Kleidung hängt über dir, links und rechts liegen Souvenirs, dazwischen ein ca. 1 – 2 Meter breiter Weg, auf dem dann die Verkäufer stehen und dich ansprechen und ihre Sachen verkaufen wollen, dann kommen dir Leute entgegen, andere bleiben stehen und schauen sich die Sachen an und es ist schwül-heiß. Danach ist man müde wie nach 2 Stunden Sport! Aber man kann dort wirklich alles kaufen: Chinesische Masken, malaysische Batikklamotten, geschnitzte hinduistische und buddhistische Figuren von Göttern, gefälschte Parfüms, Taschen, Spielzeug, malaysische Souvenirs und natürlich Snacks zum Essen.
Buddhastatuen im Tempel
Aber irgendwann sind wir dann doch oben angekommen und der Weg hat sich mehr als gelohnt. Dort gibt es tausende Gebetshäuser, in denen die verschiedenen Götter verehrt werden, eine riesige Gebetshalle, überall Buddha und andere Statuen, alles ist mit kleinen Wegen miteinander verbunden, bunt und wunderschön. Dieser Tempel war für mich eindeutig von allen Tempeln, die ich bereits in Malaysia gesehen habe, der schönste und imposanteste.
Blick auf verschiedene Häuser im Tempel
Am anderen Tag sind wir dann nach Pulau Jerejak gefahren, einer kleinen vorgelagerten Insel von Georgetown. Wie eigentlich überall in Malaysia, gibt es Dschungel dort, und wir haben eine geführte Tour, mit anderen Touristen, gemacht, bei der wir unter anderem über eine Hängebrücke gehen und Seilbahn fahren konnten.
Brücke im Dschungel
Auch wenn es meine erste Dschungeltour war, fand ich sie nicht so spannend wie ich gedacht hätte. Was allerdings auch daran liegen kann, dass es zwar schon ein richtiger Dschungel, aber ziemlich klein und durch die vielen Touristen schon nicht mehr so ursprünglich war, wie ich angenommen hatte.
Congkak spielen
Während wir auf die Fähre zurück nach Georgetown warteten, haben wir dann auch noch ein traditionelles malayisches Spiel (Congkak, gesprochen Jonka) gespielt, bei dem es darum geht, möglichst viele Steine in ein Fach zu bekommen. Eigentlich ein sehr einfaches Spiel, macht aber trotzdem sehr viel Spaß :) Dann kann ich gleich noch etwas über ein anderes traditionelles Spiel schreiben. Batu Seremban, ein bei Kindern beliebtes Spiel, bei dem man sieben kleine Steine hat, einen hochwirft und dabei versucht, andere aufzuheben, klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht. Haha, aber mittlerweile bin ich Profi :)

Dienstag, 24. Januar 2012

halbzeit :)

Okay, zuerst muss ich sagen, das ich leider zu spät bin, da ich diesen Bericht schon vor einem Monat geschireben habe, nur leider noch nciht hierhin gepostet habe.... Also jetzt dann :

Selamat tenga hari,
jetzt ist schon fast die Hälfte meines Austauschjahres in Malaysia um. Und ich muss sagen, ich merke immer wieder, wie malayisch ich doch schon geworden bin, zum Beispiel beim Wetter: Bei für malayische Verhältnisse kalten 25 Grad sitze ich im Klassenzimmer und friere (wie alle anderen) in der langen Schuluniform. Das ist ein komisches Gefühl, da für mich nun die normale Temperatur bei 30 Grad und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit liegt.
Außerdem fange ich an, wie alle Malayen, weiße Menschen auf der Straße anzustarren, weil man, besonders in meinem Bundesstaat Perlis, wirklich selten andere Europäer sieht. Obwohl ich ja selbst weiß bin und mich nahezu jeder anstarrt, sei es wegen meiner Hautfarbe, der blonden langen Haare, selbst für deutsche Verhältnisse großen Körpergröße und so weiter. Man ist und bleibt hier einfach ein Tourist und Ausländer. Deshalb kommt es auch nach einem halben Jahr noch öfters vor, dass man ein ‘Selamat datang di Malaysia’ (Herzlich Willkommen in Malaysia) gesagt bekommt, wenn man neue Leute kennenlernt.
Auch mit der Uhrzeit geht man vollkommen anders um: Wenn jemand sagt, dass er um 17 Uhr kommt, reicht es vollkommen aus, wenn man sich um 17:30 Uhr fertigmacht, kommt er dann doch ausnahmsweise einmal pünktlich, macht das auch nichts, dann muss er halt warten. Warten ist hier sowieso etwas, was man immer und überall machen muss. Als ich noch in Deutschland war, wusste ich auch nicht, was tiefe Gastfreundschaft heißt, was richtige Langeweile, aber auch Gelassenheit bedeutet und auf welch hohem Niveau wir uns eigentlich beschweren. Die Gastfreundschaft ist hier, wie ich schon öfters erwähnt habe, einfach sehr wichtig und auch selbstverständlich.
Daniela und ich backen Karipap
Neulich waren wir zum Beispiel eine Familie mit 7 Kindern in einem ‘rumah kampung’ (Dörfliches Haus) besuchen. Die Familie wohnt in zwei Zimmern und die Kinder schlafen auf dem Boden vor dem Fernseher. Wir waren herzlich willkommen und haben dort auch gelernt ‘Karipap’ und ‘Roti Jala’ zu machen, zwei traditionelle Snacks.
Außerdem sind Malayen sehr gelassen. Für Dezember war eine Flut angekündigt und für die meisten Häuser bedeutet das, dass das Erdgeschoss 20-30 Zentimeter überschwemmt wird. Was in Deutschland eine riesige Katastrophe wäre, ist hier etwas ganz Normales und passiert eigentlich jedes Jahr. Und die Vorbereitungen sind auch minimal: Wichtige Sachen werden auf Erhöhungen gestellt, der Rest wird das Wasser schon überleben. Das hat mir meine Chapterleaderin so erklärt ;)
Karte von Westmalaysia
Und im letzten Monat ist wieder so viel passiert. Das Bedeutendste ist wohl, dass ich die Familie gewechselt habe. Da meine bisherige Familie in einer sehr abgelegenen Gegend direkt am Dschungel an der Grenze zu Thailand in einem sehr traditionell-muslimischen Dorf lebt, hat mir AFS für die 2. Jahreshälfte die Chance geboten, diese Zeit in einer eher modernen muslimischen Umgebung zu erleben. In der neuen Familie bin ich sehr glücklich: Ich lebe mit meinen Gasteltern und mit zwei älteren Gastschwestern und dem Baby der einen Schwester in der Nähe von Kangar, der Hauptstadt von meinem Bundesstaat Perlis. Außerdem habe ich noch sieben weitere Geschwister, die allerdings über ganz Malaysia verstreut leben. Da ich jetzt zentraler wohne, kann ich – im Gegensatz zu früher – an allen Chapteraktivitäten teilnehmen und meine Freunde treffen :) Ausserdem muss ich einfach sagen, dass es mir in der neuen Familie viel besser geht, weil sie sich mehr um mich sorgen und kümmern, deshalb gehts mir wirklich gut :)