Dienstag, 24. Januar 2012

halbzeit :)

Okay, zuerst muss ich sagen, das ich leider zu spät bin, da ich diesen Bericht schon vor einem Monat geschireben habe, nur leider noch nciht hierhin gepostet habe.... Also jetzt dann :

Selamat tenga hari,
jetzt ist schon fast die Hälfte meines Austauschjahres in Malaysia um. Und ich muss sagen, ich merke immer wieder, wie malayisch ich doch schon geworden bin, zum Beispiel beim Wetter: Bei für malayische Verhältnisse kalten 25 Grad sitze ich im Klassenzimmer und friere (wie alle anderen) in der langen Schuluniform. Das ist ein komisches Gefühl, da für mich nun die normale Temperatur bei 30 Grad und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit liegt.
Außerdem fange ich an, wie alle Malayen, weiße Menschen auf der Straße anzustarren, weil man, besonders in meinem Bundesstaat Perlis, wirklich selten andere Europäer sieht. Obwohl ich ja selbst weiß bin und mich nahezu jeder anstarrt, sei es wegen meiner Hautfarbe, der blonden langen Haare, selbst für deutsche Verhältnisse großen Körpergröße und so weiter. Man ist und bleibt hier einfach ein Tourist und Ausländer. Deshalb kommt es auch nach einem halben Jahr noch öfters vor, dass man ein ‘Selamat datang di Malaysia’ (Herzlich Willkommen in Malaysia) gesagt bekommt, wenn man neue Leute kennenlernt.
Auch mit der Uhrzeit geht man vollkommen anders um: Wenn jemand sagt, dass er um 17 Uhr kommt, reicht es vollkommen aus, wenn man sich um 17:30 Uhr fertigmacht, kommt er dann doch ausnahmsweise einmal pünktlich, macht das auch nichts, dann muss er halt warten. Warten ist hier sowieso etwas, was man immer und überall machen muss. Als ich noch in Deutschland war, wusste ich auch nicht, was tiefe Gastfreundschaft heißt, was richtige Langeweile, aber auch Gelassenheit bedeutet und auf welch hohem Niveau wir uns eigentlich beschweren. Die Gastfreundschaft ist hier, wie ich schon öfters erwähnt habe, einfach sehr wichtig und auch selbstverständlich.
Daniela und ich backen Karipap
Neulich waren wir zum Beispiel eine Familie mit 7 Kindern in einem ‘rumah kampung’ (Dörfliches Haus) besuchen. Die Familie wohnt in zwei Zimmern und die Kinder schlafen auf dem Boden vor dem Fernseher. Wir waren herzlich willkommen und haben dort auch gelernt ‘Karipap’ und ‘Roti Jala’ zu machen, zwei traditionelle Snacks.
Außerdem sind Malayen sehr gelassen. Für Dezember war eine Flut angekündigt und für die meisten Häuser bedeutet das, dass das Erdgeschoss 20-30 Zentimeter überschwemmt wird. Was in Deutschland eine riesige Katastrophe wäre, ist hier etwas ganz Normales und passiert eigentlich jedes Jahr. Und die Vorbereitungen sind auch minimal: Wichtige Sachen werden auf Erhöhungen gestellt, der Rest wird das Wasser schon überleben. Das hat mir meine Chapterleaderin so erklärt ;)
Karte von Westmalaysia
Und im letzten Monat ist wieder so viel passiert. Das Bedeutendste ist wohl, dass ich die Familie gewechselt habe. Da meine bisherige Familie in einer sehr abgelegenen Gegend direkt am Dschungel an der Grenze zu Thailand in einem sehr traditionell-muslimischen Dorf lebt, hat mir AFS für die 2. Jahreshälfte die Chance geboten, diese Zeit in einer eher modernen muslimischen Umgebung zu erleben. In der neuen Familie bin ich sehr glücklich: Ich lebe mit meinen Gasteltern und mit zwei älteren Gastschwestern und dem Baby der einen Schwester in der Nähe von Kangar, der Hauptstadt von meinem Bundesstaat Perlis. Außerdem habe ich noch sieben weitere Geschwister, die allerdings über ganz Malaysia verstreut leben. Da ich jetzt zentraler wohne, kann ich – im Gegensatz zu früher – an allen Chapteraktivitäten teilnehmen und meine Freunde treffen :) Ausserdem muss ich einfach sagen, dass es mir in der neuen Familie viel besser geht, weil sie sich mehr um mich sorgen und kümmern, deshalb gehts mir wirklich gut :)

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