Mittwoch, 2. Mai 2012

Sabah, the land below the wind

Eine Woche später hatten wir Austauschschüler unseren Shortterm-Exchange, dass heißt wir bekamen von AFS die Möglichkeit für zwei Wochen in einen anderen Teil von Malaysia zu gehen und dort Land und Leute kennenzulernen. Eigentlich wollten alle AFS’ler nach Borneo, also in die Bundesstaaten Sabah oder Sarawak, im östlichen Teil von Malaysia. Ich war eine der ca. 30 Glücklichen, die nach Borneo reisen durften und schließlich bin ich mit 17 anderen in das Bundesland Sabah geflogen, genauer Sandakan, der drittgrößten Stadt von Sabah mit ca. 158.000 Einwohnern.
Sandakan liegt ganz im Osten von Sabah, Sabah ist nach Sarawak das zweitgrößte Bundesland von Malaysia. Vom Flugzeug aus betrachtet besteht Sabah fast nur aus Dschungel, vereinzelten kleinen Dörfern oder Höfen und sonst nur Wald. Allerdings wurde in den letzten Jahrzehnten trotz Umweltschutzaktionen ein Großteil des natürlichen Waldes wegen des Tropenholzes abgeholzt und durch den Anbau von Ölpalm-Plantagen zur Gewinnung von Palmöl ersetzt.
In Sabah gibt es noch viele andere ethnische Gruppen (insgesamt ca. 30), wie zum Beispiel die Kadazan und Iban. Diese beiden Gruppen und viele andere werden auch als Ureinwohner Borneos bezeichnet. Ich empfand Sabah als ganz anders als Westmalaysia, die Menschen sind offener, westlicher, die verschiedenen Religionen und Kulturen sind viel gemixter und alle zusammen verstehen sich viel besser. In Sabah lebt – verglichen mit den Bundesstaaten auf der malayischen Halbinsel – neben der islamischen und chinesischen Bevölkerung ein großer Anteil mit christlichem Glauben. Sabah ist eher so, wie ich mir Malaysia vorgestellt habe – so wie Malaysia nach außen hin dargestellt wird.
Orang Utan
Orang Utans Und unser Programm war spitze! Das meiste hatte natürlich mit Urwald und Tieren zu tun. So durften wir in einem Naturschutzzentrum Orang Utans anschauen und in freier Wildbahn beobachten. Diese wunderschönen Tiere kamen freiwillig – nur mit Essen angelockt. Das heißt wir waren drei Meter von ihnen entfernt, total toll! Orang Utans kamen ursprünglich auch aus Borneo, Orang Utan heißt übersetzt Waldmensch, ich finde den Namen richtig passend!
River Cruise
Außerdem waren wir auf einem Fluss Boot fahren – natürlich mit Führer, an beiden Ufern dichter Urwald – und konnten deshalb die verschiedenen Tiere vom Boot aus beobachten, wie zum Beispiel Schlangen, einen kleinen Leguan, riesige Wildschweine, Affen und einige andere Tiere.
Und das eindeutig beste Erlebnis war ein Trip zu Turtle Island, einer Schildkröten-Aufzuchtstation und ganz tollen Stränden. Da wir nicht so viel bezahlen wollten, sind wir mit kleinen Fischerbooten ca. eine Stunde über das offene Meer gefahren ;) Dort angekommen durften wir den ganzen Tag schnorcheln, was total cool war, da Korallen, Muscheln, unzählige Fische und Schnecken nur ein bis zwei  Meter unter uns waren, wir haben sogar einen Rochen gesehen ! :)
Turtle Island
Dann bin ich auch noch mit meiner dortigen Familie zwei  Tage nach Kota Kinabalu (KK) gefahren, der Hauptstadt von Sabah. KK erinnert mich ein  bisschen an einen Mix zwischen KL und Bangkok, nur natürlich viel kleiner (ca. 450.000 Einwohner). Dort war ich mit meiner Familie in  einem traditionellen Dorf (‘Cultural Village’) der Kadazan , einer Ureinwohnergruppe von Sabah. Kadazan waren früher u.a. Kopfjäger, es gibt immer noch bis zu 300 Jahre alte Schädel dort zu sehen. Sie griffen allerdings nicht andere Menschen an, wie ich mir als Kind vorgestellt habe, sondern verteidigten nur ihr Dorf gegen Eindringlinge.  Die Kadazan stellten die Schädel im Dorf zur Schau, um zu beweisen, wie stark sie sind, um Respekt zu bekommen und auch um Frauen zu imponieren und um sie zu werben.
Insgesamt hat mir und allen anderen aus der Gruppe Sabah total gut gefallen, alle haben sich sehr wohl gefühlt und zurück am Flughafen wurden beim Abschied viele Tränen vergossen ;)

Thaipusam, krass und unglaublich !

Im Februar 2012 (ja, ich bin etwas spaet ) hatte ich dann das krasseste und gleichzeitig spannendste Erlebnis, das ich bislang in Malaysia erleben durfte. Thaipusam ist ein – besonders von Tamilen am Vollmond des tamilischen Monats Thai (Januar/Februar) – gefeiertes Hindu-Fest. Pusam bezieht sich auf einen Stern, der während des Festes seine höchste Position erreicht hat. Thaipusam ist dem Gott Murugan gewidmet und ich hatte das Glück, dieses Fest in einer der berühmtesten Kulissen für Thaipusam erleben zu dürfen, in den Batu Caves. Diese liegen 15 km von Kuala Lumpur entfernt, es ist ein großer Platz mit einer riesigen goldenen Statur des Gottes davor und einer breiten Treppe mit 272 Stufen hoch zu den Höhlen, in denen dann die Tempel liegen.
Die Situation am Gitter zum Zug
Wir haben uns also am 7. Februar abends um 21 Uhr mit allen anderen interessierten Austauschschülern in Kuala Lumpur getroffen, weil wir dann eigentlich direkt den Zug zu Batu Caves nehmen wollten. Jedoch kam die hauptverantwortliche malaysische Frau zwei Stunden zu spät, dann gingen wir natürlich noch einmal essen und haben schließlich um 1 Uhr morgens den letztmöglichen Zug genommen, was die erste nicht normale Erfahrung war. Natürlich wollten alle Menschen diesen (letzten) Zug bekommen und der Zug war unglaublich vollgestopft mit Indern und uns, insgesamt ungefähr 50 Austauschschülern. Hinzu kam, dass die Klimaanlage ausfiel und es stickig wurde, jeder schwitzte und sogar eine Frau starke Atemprobleme bekam. Jedoch kann man in einer solchen Situation nichts machen, um ihr zu helfen, es gab keinen Platz, keiner wollte aussteigen und selbst die Frau nicht, was dann das erste Mal war, wo ich über die Entschlossenheit und Stärke der Inder gestaunt habe.
Nach guten 45 Minuten kamen wir dann endlich an und das Erste, was wir sahen, waren Menschenmassen, die in unseren Zug wollten, um damit zurückzufahren! Es sah aus wie eingesperrte Tiere, die gegen die Gitter drücken und nicht herausgelassen werden können. Wirklich schlimm! Dann gingen wir auf das riesige Gelände, auf dem es unter anderem einen kleinen Freizeitpark gab, tausende Shops zum Essen und Trinken und – Friseure. Gläubige Hindus lassen sich an diesen Tagen den Kopf rasieren, deswegen sah man immer wieder in den Menschenmassen weiße Köpfe, da diese nach dem Rasieren mit einer kühlenden Paste bestrichen werden.
Die Milchkännchen
Irgendwann sind wir dann auf dem Hauptplatz angekommen: Solche Menschenmassen wie dort habe ich noch nie in meinem ganzen Leben gesehen! Es war echt krass und das Gedränge entsprechend groß. Hier befinden sich die Menschen, die Opfergaben zu dem Tempel bringen wollen, sich vorbereiten, indem sie schon mal den Geruch der „Räucherstäbchen“ inhalieren (die in Trance versetzen und den Schmerz (!) lindern sollen), tanzen und die Opfergaben vorbereiten. Es gibt verschiedene Arten des ‘Kavadi’ (= Opfergabe):
Das einfachste ‘Kavadi’ ist wohl ein Kännchen mit Milch, das mit einem gelben Tuch verschlossen auf dem Kopf getragen wird! Nein, nicht freihändig, es wird schon mit einer Hand festgehalten.
Zwei Frauen mit den Speeren durch die Zunge
Außerdem gibt es ein Gestell aus gelb angestrichenem Holz in Form eines Halbkreises. Dieses Kavadi ist geschmückt, teilweise mit Pfauenfedern oder Opfergaben für den Gott Murugan und wird auf den Schultern getragen. Oft tragen die gläubigen Pilger auch kleine Speere, die durch Wangen oder Zunge gestochen werden oder Haken, die am Rücken befestigt werden. An den Enden der Haken sind Seile befestigt und erinnerten mich an die Zügel beim Reiten. Dieser Schmerz erinnert die Gläubigen also ständig an den Glauben zu ihrem Gott (jedoch ist dieser Schmerz eher symbolisch gemeint, da sie durch die „Räucherstäbchen“, die sie die ganze Zeit einatmen, keinen Schmerz fühlen, zum Glück!).
Haken am Rücken und die Menschen, die sie halten
Das wohl Schmerzhafteste, Spektakulärste und Atemberaubendste ist das ‘vel kavadi’. Dabei wird ein tragbarer Altar – der bis zu 2 Meter hoch sein kann – auf den Schultern getragen und mit 108 sogenannten Vels am Rücken und Oberkörper festgemacht. Diese Vels werden durch die Haut gestochen. Diese unfassbare Belastung ist nur durch einen Trancezustand auszuhalten, in dem sich die Gläubigen befinden und der auch dafür sorgt, dass die Wunden nicht bluten und keine Narben zurückbleiben. Diese Altäre wiegen bis zu 70 kg! Aus diesem Grund werden die vel kavadis meist von mehreren Helfern und auch der Familie begleitet, die oft auch einen/mehrere Plastikhocker mit sich tragen, um dem tragenden Mann des ‘vel Kavadi’ zwischendurch immer mal wieder eine Verschnaufspause zu gönnen. Oft hört man auch die Rufe ‘vel vel, vel vel’ von den Gläubigen. Vel bedeutet so viel wie Schwert und geht auf einen Mythos des Gottes Murugan zurück.
Eine Form von Kavadi
Schließlich haben wir es doch geschafft und uns einen Weg durch die Massen gebahnt, was allein ziemliche Arbeit ist, da man Fotos machen will, jedoch gleichzeitig den Anschluss an unsere AFS-Gruppe nicht verlieren darf und am besten die Schultern seines Vordermannes festhält, da sich sonst lange Menschenschlangen vor einen drängeln und man gar nicht mehr vorwärts kommt.
Das Krasseste war dann, als eine Frau zu den typisch schweren Trommelschlägen tanzte und auf einmal einfach so in die Arme einer anderen Frau kippte. Zuerst hat mich das nicht so gewundert, bei der Hitze ist es ja nicht verwunderlich, dass jemand umkippt. Jedoch fing sie dann auf einmal an zu schreien und um sich zu schlagen. Ein Mann kam, drückte der Frau einen weißen Punkt auf die Stirn und plötzlich ging es der Frau wieder gut! In diesem Moment war ich nahe daran, an ‘Zauberei’ zu glauben. Danach wurde mir erklärt, dass sich die Frau in Trance getanzt hat, das mit dem Punkt konnte mir aber keiner erklären. Das war dann das Krasseste der ganzen Nacht!
Die Menschenmenge
Dann sind wir den (Menschen-)Zügen gefolgt, die zum Eingang der Höhlen ‘gepilgert’ sind. Diese Züge ziehen sich dann z.B. von dem hinduistischen Tempel Sri Mahamariamann im Zentrum von Kuala Lumpur ca. 15 km bis zu den Batu Caves. Sie beginnen abends. Den ganzen Weg lang, tragen diese Gläubigen Opfergaben zu den Batu Caves. Unterwegs findet man Firmen und Vereine als Versorgungsstationen, um den pilgernden Gläubigen etwas zu trinken oder zu essen mit auf den langen Weg zu geben. Diese Züge sind ein einziges Farbenmeer und es ist total schön, den Menschen einfach zuzuschauen und ihre bunte Kleidung zu bestaunen :) Sehen, welche Menschen gelbe Kleidung tragen (Gelb steht für die Reinheit), denn diese werden tatsächlich den kompletten Weg bis zu den Batu Caves zurücklegen.
Ein tanzender Mann
Um ca. 6 Uhr morgens haben wir dann total erschöpft die Treppe zu den Höhlen erreicht, die von unten wie ein richtiges Lichtermeer aussah. Jedoch waren diese Treppen alles andere als sicher, die Stufen schmal und voll mit Menschen, verlorenen Schuhen und manchmal kleinen brennenden Sachen, die von den Altären heruntergefallen sind. Wenn man sich dann vorstellt, dass ein Mann mit einem ‘vel kadavi’ das Gleichgewicht verlieren und rückwärts umkippen würde, denkt man besser nicht weiter! Die Höhle besteht aus 2 Tempeln und mehreren Gebetsstellen. Sind die Gläubigen in der Höhle angelangt, haben sie es geschafft :) Dort werden ihnen die Nadeln, Haken und Kavadis abgenommen und die Hautstellen mit Asche eingerieben. Die Kavadis mit den Milchkännchen werden noch zum Tempel gebracht, wo der Priester die Milch über die Statue des Gottes schüttet.
Im Übrigen ist es auch keine Seltenheit, Menschen zusammenbrechen zu sehen, bei dieser Menschenmasse, der Hitze, der Musik und den tranceähnlichen Zuständen kein Wunder.
Die Menschen auf der Straße
Wieder unten angekommen, sind wir dann erst einmal etwas Essen und Trinken gegangen. Zwar etwas außerhalb der Massen, aber immer noch zentral, wo auch die Leute, die mehrere Tage dort blieben, einfach so auf Zeitungen auf dem Boden geschlafen haben, mitten zwischen  den Menschen und dem Lärm.
Um ca. 7 Uhr morgens mussten wir dann am Bahnhof in die von Gittern eingeschlossene wartende Menschenmasse, die ich schon bei der Ankunft mit dem Zug beobachtet hatte. Dieses war für mich das Unangenehmste an diesem Erlebnis, da man als weißer Mensch einfach Aufsehen erregt, die Inder dann freundlich-aufdringlich sind und man total eingequetscht zwischen ihnen ist. Um ca. halb 9 sind wir dann glücklich, total erschöpft bei unseren zweiten Gastfamilien in Kuala Lumpur angekommen und haben zuerst eine Dusche und ein Bett genossen.  :)
Zum Abschluss meines Berichts noch die ersten Zahlen in Tamil, natürlich mit unseren Buchstaben aufgeschrieben ;)
1 – Une    6 – Are
2 – Rende    7 – Ele
3 – Mune    8 – Yete
4 – Nale    9 – Ombothe
5 – Anje    10 – Pathe
Insgesamt kann ich nur sagen, dass es eine tolle Erfahrung ist, nicht als Tourist ein Land zu sehen, sondern mit den Augen eines Einheimischen, da man ganz andere Erfahrungen macht und das richtige Leben mitbekommt! :)

One night in Bangkok :)


Dank AFS dürfen wir Austauschschüler im zweiten Halbjahr viel reisen, was im März mit Bangkok begann. Wir sind dort mit unserem Chapter hingefahren, was sich ja anbietet, da Perlis direkt an Thailand grenzt. Jedoch sind wir nicht, wie viele Leute bei der Entfernung vielleicht annehmen würden, geflogen, sondern alle zusammen in einem Kleinbus 18 Stunden quer durch Thailand gefahren ;) Uns hat das alle nicht gestört, da wir so Geld sparen konnten und lange Busfahrten immer lustig sind!

Also wurde laut Musik angemacht, die einzige englische CD drei Mal gehört und dann geschlafen ;) . Jedoch waren die Straßen – wie oben beschrieben – nicht die besten, weshalb dann irgendwann zwei  Leute auf dem Boden geschlafen haben, die anderen haben sich alle kreuz- und quergelegt, damit jeder etwas mehr Platz hatte.

In Bangkok kamen wir dann in den Morgenstunden an und das Erste, was mir aufgefallen ist, waren Massen an Autos und der Dauerstau! Ganz Bangkok besteht aus Stau, der auch nie aufhört, egal ob mitten in der Nacht oder am helllichten Tag – Stau ist immer da.
Steamboat essen
Nach 18 Stunden Busfahrt heißt es für uns alle erst mal duschen, aber nein: Natürlich zuerst essen! Anschließend sind wir auf einen riesigen Markt gefahren, der aus tausenden kleinen Ständen besteht, in denen man alles kaufen kann und wir nicht einmal alles anschauen konnten, da er einfach zu groß war!
Bangkok-Polizist
Danach haben wir im Hotel eingecheckt. Das Hotel lag sehr zentral, was wirklich toll war, sodass wir den Nachmittag mit Besichtigungen, Shoppen, Schauen und Staunen verbracht haben: Pinkfarbene Taxis, einen 7-Eleven (eine Art Drogeriemarkt!) an jeder Ecke, Stromkabel überall, und zwar nicht nur ein paar, sondern schon mal 20-30 Kabel auf einmal.
Garküche auf der Straße
Natürlich Tuk-Tuks, die kleinen Taxis, ganz viel Dreck, verstümmelte Bettler, viele Menschen mit Atemmasken vor dem Gesicht wegen den Autoabgasen und Verschmutzungen, unzählige Stände, die verschiedenstes Essen anbieten, mitten im Gedränge kleine Tempel und überall dazwischen Autos, Autos, Autos …. Insgesamt: Wie ich mir eine asiatische Großstadt vorgestellt habe ;)
Bangkok-Tempel
Am nächsten Tag haben wir dann einen der berühmtesten und größten buddhistischen Tempel in Bangkok besichtigt, den „Grand Palace“ (offizielle Residenz der Könige von Siam (heutiges Thailand)). Er ist imposant und riesig, unglaublich schön, voller glitzernder Statuen und mit vielen verschiedenen Gebäuden, voller Mythen und Geschichten, der schönste Tempel, den ich bisher gesehen habe! :)

Bangkok kann ich wirklich nur empfehlen, die Stadt ist unglaublich! Ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie viel ich in diesen 2 Tagen gesehen und erlebt habe! Ich hoffe die Bilder geben einen Eindruck davon ! :)
Bangkok-TempelBangkok-Tempel