Also: Hier mit fast 2 Monaten Verspätung dann mal der Bericht, tut Mir echt Leid, dass es so lange gedauert hat, es hat reingeregnet und natürlich auf den einzigen Pc im Haus...
Ende Januar fuhr ich dann wieder mit Daniela, einer anderen deutschen Austauschschülerin, mit der ich meistens auf Reisen gehe, nach Kuala Lumpur, um dort Chinese New Year (CNY) zu feiern. CNY wird jedes Jahr ca. Ende Januar bis Anfang Februar gefeiert, je nachdem, wie der Kalender fällt. Dieses Jahr wurde es am 23.1. gefeiert. Für eine Woche sind wir von der chinesischen Familie eingeladen worden, um CNY mit ihnen zu feiern und um ein wenig chinesische Kultur schnuppern zu können. Also wurden wir am 21.1. von der Mutter und Tochter in KL abgeholt und sind natürlich gleich Essen gegangen – mitten in Chinatown von KL Und wir haben tatsächlich, wie man es von Filmen und so kennt, Reis aus kleinen Schälchen mit Stäbchen gegessen, dazu verschiedene Beilagen und chinesischen Tee. Früher habe ich mich immer gewundert, wie man von einer kleinen Schale Reis satt werden kann, aber da man so viele Beilagen und verschiedene Fleischarten testet, ist es manchmal sogar schwer, die ganze Schale leer zu essen. Chinesisches Essen find ich persönlich jetzt nicht so lecker, da es aus vielen weichgekochten und zusammengemischten Gemüse- und Fleischarten besteht und die Soßen meistens sehr mächtig und fett sind, was ich gar nicht mag!
Daniela und ich im Cheongsam
Am nächsten Tag fuhren wir dann in verschiedene Shoppingcenter, damit Daniela und ich uns einen Cheongsam kaufen konnten. Ein Cheongsam ist ein traditionelles chinesisches Kleidungsstück, was am besten eng anliegend ist, die Traditionellen gehen bis zu den Knöcheln, die Modernen, die wir gekauft haben, allerdings nur bis zu den Knien. Typische Merkmale von einem Cheongsam ist der hochgeschlossene Kragen und und der Knopfverschluss, der entweder frontal oder vor der Schulter liegt. Ich war wirklich überrascht, dass ich einen Cheongsam in meiner Größe gefunden hab, da ja eigentlich alle Chinesen um einiges kleiner sind, aber ich hatte zum Schluss sogar noch Auswahl .
Chinesischer Löwentanz
In dieser Shoppingmall haben wir dann auch einen Löwentanz gesehen. Hier verstecken sich Menschen unter Löwenmasken und Kostümen, die diese so bewegen, dass es wie ein Tanz aussieht. Sie verteilen Mandarinen an die kleinen Kinder, mich hat es etwas an Fasching erinnert. Diese Löwen nennt man Glückslöwen.
CNY wird nicht – wie bei uns Silvester – um Mitternacht gefeiert, sondern erst am nächsten Morgen, sodass wir dann am 23.1 morgens zur Großfamilie gefahren sind, um den Beginn vom „Jahr des Drachens“ zu feiern. Es ist ein Zwölf-Jahresrhythmus, der jedem Jahr ein Tier zuordnet und auch oft als Horoskop für die in diesem Jahr geborenen Menschen gilt, der die Tiere bestimmt. Diesen Rhythmus habe ich euch hier aufgeschrieben:
1. Ratte → angriffslustig
2. Büffel → sanft
3. Tiger → verwegen
4. Hase → gutmütig
5. Drache → geistreich
6. Schlange → schlau
7. Pferd → ungeduldig
8. Schaf → artig
9. Affe → wendig
10. Hahn → stolz
11. Hund → zuverlässig
12. Schwein → ehrlich
Zu CNY gibt es eine Legende, die uns von unserer chinesischen Gastmutter erzählt wurde. Diese Geschichte erzählt von einem Dorf, das jedes Jahr von einem menschenfressenden Monster heimgesucht wird und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Irgendwann besucht ein Mann das Dorf und fragt nach einer Unterkunft für ein paar Nächte. Er wird natürlich gastfreundlich aufgenommen, jedoch wird er auch vor dem Monster gewarnt. Der Mann erklärt, dass er weiß, wie man das Monster bekämpfen kann und er deutet den Menschen an, dass sie rote Kleidung tragen sollen und so viel wie möglich rote Farbe für ihre Häuser und Straßen verwenden sollen, da die Farbe Rot das Monster abschrecken soll. Als dann das Monster in das Dorf kommt, zündet der Mann Feuerwerke an, alle Menschen sind auf den Straßen, machen zusätzlich Lärm und alles ist rot: Das Monster erschreckt sich und hat Angst, sodass es verschwindet und nie wiedergekommen ist. Da dieser Tag dann „Tag des Gehens des Monsters“ genannt wird, was wohl etwas ähnliches wie Neujahr heißt, wird an diesen Tagen Neujahr gefeiert. Wegen dieser Legende sind auch die traditionellen Farben von CNY rot, aber auch Gold, die Farbe der Feuerwerke, während dunkelblau und schwarz für die Dunkelheit stehen und nicht willkommen sind. Außerdem sieht man überall die chinesischen Lampions.
Ang Pow Umschläge
Um das Glück, das man über Neujahr bekommt, nicht direkt wieder wegzuwischen, darf man die ersten Tage des Neuen Jahres nicht putzen. Außerdem sollte man in der Neujahrsnacht die Fenster geöffnet lassen, damit das Glück hereinkommen kann und das Licht anlassen, damit die Monster abgeschreckt werden und nicht hereinkommen wollen. Die ersten Tage des neuen Jahres haben wir verschiedene Verwandte besucht, viel chinesisches Essen gegessen und natürlich Ang Pow gesammelt. Dieses sind bunte Umschläge mit kleinen Geldbeträgen, die an noch nicht verheiratete Gäste und Kinder verteilt werden.
Die Kerzen im Tempel
Außerdem wird traditionell zum Neuen Jahr Yee Sang gegessen, eine Art Salat, aber auch mit Fisch und Wan Tan, das sind chinesische Teigtaschen, Soßen (Reisessig, Pflaumensoße & Sesamöl) und verschiedenen Nüssen. Das Gericht wird dann von allen anwesenden Leuten mit Stäbchen durchgemischt. Während die älteren Menschen laut ihre Wünsche aussprechen, wünschen sich die Jüngeren etwas im Stillen.
Außerdem haben wir einen schönen buddhistischen Tempel besucht, um Kerzen für die Familie anzuzünden. Auf diese schreibt man dann zuerst die Namen, dann wurden wir mit den Kerzen gesegnet und schließlich werden die Kerzen angezündet.
Also, ich wünsche euch allen ein gesundes und frohes Jahr des Drachens,
Sophie
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