Als wir dann angekommen waren, sind wir natürlich erst einmal auf einem kleinen Boot, das an der Anlegestelle für die kleinen Speedboote zum Überqueren des Flusses angelegt hat, Essen gegangen. Traditionelles Essen von Pahang: Fisch in Duriansoße (Durian ist die Nationalfrucht von Malaysia, genannt auch „Stinkfrucht“). Auf der anderen Seite des Flusses war dann der Nationalpark, jedoch sind wir erst mit einem kleinen Motorboot den Fluss entlanggefahren, um die Ureinwohner Orang Asli (wörtlich übersetzt: traditioneller Mensch) zu sehen. Das Dorf, das wir dann besucht haben, war zwar nachgebaut, jedoch waren die Menschen echte Ureinwohner, die dafür Geld bekommen, wenn sie Touristen ihren Lebensstil zeigen.
Allerdings leben immer noch echte Orang Asli in Taman Negara, sie sind die einzigen, die dort leben dürfen, da sie die Natur nicht zerstören. Sie leben in kleinen selbstgebauten Hütten mit Blätterdach, die ca. 4 qm groß sind, aus einem Raum bestehend und auf einer großen Erhöhung stehend, damit die Insekten nicht zu den Schlafplätzen kommen. Der Waschraum besteht aus einem Eimer mit Schöpfer, mit dem man sich duschen und waschen kann. In der Siedlung, die wir gesehen haben, war der Waschraum an einem Abhang, damit das Wasser gleich abfließen kann. Richtig schlimm, wenn man bedenkt dass Leute immer noch so leben ! :O
Außerdem wurde uns von den Ureinwohnern gezeigt, wie ihre Vorfahren Affen gejagt haben. Sie benutzen ein zwei Meter langes Blasrohr, in das giftige Pfeile gesteckt wurden, die, wenn man geübt ist, ziemlich schnell fliegen können und mit denen man sehr genau zielen konnte. Wir durften auch alle einmal ausprobieren auf ein an einer Holzwand aufgehängtes Kuscheltier zu schießen, jedoch habe ich es nicht einmal bis zur Wand geschafft
Am nächsten Tag besuchten wir ein Elefantenressort, wo wir die wunderbare Chance hatten auf einem Elefanten zu reiten und normalerweise auch mit ihnen zu baden. Leider führte der Fluss zu viel Wasser, also konnten wir ‘nur’ reiten, was allerdings richtig super war. Der Elefant schaukelte bei jedem Schritt hin und her, allerdings richtig langsam und gemächlich, trotzdem kam man ziemlich schnell voran. Es ist ein tolles Gefühl und ich konnte gar nicht aufhören zu grinsen, da es wirklich ein einmaliges Gefühl war!
Nachdem wir zehn Tage in Pahang verbracht haben, besuchten wir anschließend eine weitere Austauschschülerin in Johor, ein Bundesstaat im Süden von Malaysia. Wir haben bei ihr bzw. ihrer Gastfamilie fünf Tage, rund um den zweiten Advent, verbracht. In dieser Zeit sind wir u.a. in eine presbyterianische Kirche gegangen und haben an einer Messe teilgenommen, da wir alle, seit wir in Malaysia sind, nicht einmal die Chance hatten, in eine christliche Kirche zu gehen. Außerdem kommt bei 30 Grad Celsius und Sonne den ganzen Tag hier wirklich überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Die Kirche sah schon von innen und außen ganz anders aus, wie wir es von Kirchen aus Deutschland gewohnt sind. Sie war sehr schlicht, keine Bilder und keine Verschnörkelungen.
Aber der Gottesdienst hat uns sehr überrascht, die erste halbe Stunde haben wir nur Lieder auf malaysisch gesungen, allerdings nicht im Sitzen und ruhig, sondern mit richtig lauter Musik. Manche Leute haben getanzt, jeder hat gelacht, die Malayen haben sich gefreut, ‘Weiße’ im Gottesdienst zu sehen und jeder war gut drauf. Der eigentliche Gottesdienst danach war für uns eher langweilig, da wir nicht viel verstanden haben, aber die Stimmung in der Kirche war einfach super! Nach der Kirche gab es draußen noch etwas Kleines zum Essen und Trinken, natürlich wurden wieder Fotos gemacht und wir haben nette Leute in unserem Alter kennengelernt.
Im Anschluss an Johor sind wir direkt nach Kuala Lumpur (KL), der Hauptstadt von Malaysia, weitergefahren, da wir dort unser AFS-Midstay-Camp hatten. Allerdings hat das nicht direkt in KL stattgefunden, sondern in einem Dschungelreservat etwas außerhalb. In den Dschungel sind wir zwar nicht – wie ursprünglich geplant – gegangen, da es in Strömen geregnet hat. Spaß hat das Camp aber trotzdem gemacht! Ich denke, dass das jeder Austauschschüler von AFS bestätigen kann: Es ist einfach toll, mit Leuten aus anderen Ländern seine Erfahrungen zu teilen und zu vergleichen, Spiele zu spielen, Vorbereitungen für das zweite Halbjahr zu treffen und einfach Spaß zusammen zu haben.
Danach haben Daniela und ich noch eine Woche in Kuala Lumpur bei einer Gastfamilie verbracht, die mit uns wunderbares Sightseeing rund um KL gemacht hat. Es ist viel angenehmer mit Einheimischen die Stadt zu besichtigen, da sie uns ihre Lieblingsplätze, Restaurants und anderen Sachen zeigen, in die man sonst nie kennengelernt hätte. Außerdem durften wir mit unserer Gastfamilie in KL die bekannten Petronas Twin Towers, die mit 452 Metern höchsten Twin-Towers der Welt, besichtigen und in den 86. Stock fahren, was nur wenige Malayen jemals erlebt haben (da es u.a. zu teuer wäre bzw. unser dortiger Gastvater in den Towers gearbeitet hat). Von dort aus konnten wir ganz KL überblicken und bekamen Erklärungen zu allen wichtigen Gebäuden, wie zum Beispiel ein riesiges und richtig langes Gebäude, das noch aus der Zeit stammt, als Malaysia eine britische Kolonie war.
Außerdem waren wir bei den jungen Malaysischen Philharmonikern, die an diesem Freitagabend unter dem Motto: ‘Friday Night is Music Night’ klassische, aber auch moderne Musikkompositionen gespielt haben, unter anderem die Titelmusik von James Bond, Harry Potter und Fluch der Karibik, aber auch alte malaysische Stücke und wiederum klassische aus der britischen Kolonialzeit, das heißt es war wirklich für jeden etwas dabei! Dieses Konzert war wirklich wunderschön, es war für mich das beste Erlebnis, was ich in der ganzen Zeit in KL hatte, da es einfach etwas ganz Besonderes war!
Das war es erst einmal wieder von mir, viele Grüße aus dem immer-warmen Malaysia,
Sophie





























