Donnerstag, 9. Februar 2012

Weihnachten bei 30 Grad ;)

Merry Christmas and a happy new year,

Selamat hari krismas dan selamat tahun baru,

Frohe Weihnachten und ein frohes Neues Jahr :)

Als erstes möchte ich noch verspätet über meine Advents- und Weihnachtszeit hier in Malaysia berichten. Vom Advent habe ich nämlich dieses Jahr nicht viel gemerkt. Bei schwülen 30 Grad, mit einer muslimischen Familie, keinen Weihnachtsplätzchen, ganz zu schweigen von einem Adventskranz oder ähnlichem, ist es wirklich schwer, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Aber ich habe einen lieben Adventskalender aus Deutschland geschickt bekommen, also konnte ich mir immerhin ungefähr vorstellen, dass ich normalerweise jetzt Kerzen anzünden, auf Weihnachtsmärkte gehen, Plätzchen backen und den letzten Schulstress vor den Ferien bewältigen würde. Und ich habe realisiert, wie die Zeit rast, da ich in den ersten 2 Wochen der Adventszeit noch in den Schulferien verreist war (letzter Bericht).
Meine Großfamilie und ich (lila Kopftuch vorne links) auf der Hochzeit
Schließlich bin ich am 23. Dez. 2011 mit meiner Gastfamilie nach Kuala Lumpur gefahren, da am 24.12. (ja, an Heiligabend) ein Cousin meiner Familie geheiratetet hat und meine Familie eingeladen war. Also saß ich am Weihnachtsmorgen im Baju Kurung (trad. muslimische Kleidung) und mit Kopftuch im Auto, um – normalerweise zwei, da aber Feiertag war drei Stunden – nach Negeri Sembilan, einem anderen Bundesland zu fahren. Eigentlich ist es nicht direkt die Hochzeit, sondern eine Art Feier nach der Hochzeit, genannt Kanduri, bei der alle Verwandten und Bekannten zusammenkommen und dort das typische Kanduri Essen genießen: Reis mit Curry (Hühnchen mit Currysoße und Kartoffeln), Rendang (Rindfleisch in Soße) und dieses Mal sogar gegrilltes Rehfleisch. Die Kanduri läuft dann ab wie immer (ich gehe ungefähr alle 2 Wochen auf eine): Zuerst müssen wir das Haus finden, da wir meistens noch nie bei der Familie zu Besuch waren, ist aber kein Problem, da manchmal schon Straßen davor die Autos Schlange stehen. Sind wir dann angekommen, gehen wir zuerst die Elten begrüßen, dann sucht man sich einen Platz unter den Zelten (diese haben meistens sogar Ventilatoren) und geht dann zum Büfett, um sich sein Essen zusammenzustellen. Dann isst man, redet mit Freunden oder anderen Verwandten, nach dem Essen geht man dann ins Haus, um die Braut und den Bräutigam zu sehen, Fotos zu machen und die Geschenke zu bestaunen. Danach bekommt man ein kleines Dankeschön-Geschenk, wie meistens ein paar kleine Schokoladen oder Taschentücher oder Bonbons, in kleinen bunten Schächtelchen.
Meine Nichte und ich auf der Hochzeit
Danach sind wir dann wieder nach Hause (in diesem Fall die Wohnung eines Schwagers in KL) gefahren, was allerdings alles andere als angenehm war, da meine Familie mit zwei Autos gefahren ist und das andere Auto in einen Unfall verwickelt wurde. Zwei Autos sind auf der Autobahn miteinander kollidiert und alle Beteiligten hatten großes Glück, dass niemand ernsthaft verletzt wurde, obwohl nur der Fahrer angeschnallt war … Deshalb mussten wir dann erst einmal zur Polizei, um einen Bericht zu erstatten. So etwas dauert normalerweise an Feiertagen ziemlich lange, da wir jedoch gute Kontakte hatten, waren wir nach ‘nur’ zwei Stunden fertig. Anschließend mussten wir dann das Auto in eine Werkstatt bringen (die natürlich an Weihnachten um 21 Uhr geschlossen war), haben hier dann noch einmal eine Stunde gewartet, anschließend das Weihnachtsessen auf der Raststätte eingenommen und sind dann schließlich um halb zwölf in der Wohnung des Schwagers angekommen, wo wir alle total erschöpft schlafen gegangen sind. Ich hatte mich eigentlich darauf vorbereitet, an Weihnachten richtiges Heimweh zu bekommen und das der Tag wirklich schwer würde, aber überraschenderweise hatte ich keine Probleme, was vielleicht daran liegt, dass es einfach so anders war, dass ich gar keine Chance hatte, an Weihnachten zu denken. Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, dass meine Schwestern mir am nächsten Tag kleine Geschenke überreicht haben und wir in eine Shoppingmall gefahren sind, in der eine Weihnachtsausstellung war :)

Freitag, 27. Januar 2012

Lange Ferien (2 Monate) :D

Am 18.11. haben in Malaysia die langen Schulferien angefangen, hier hat man im „Winter“ fast zwei Monate Ferien, Malaysia ist eines der Länder, die die meisten Ferien haben, da hier so viele Feiertage sind, so dass man fast jeden Monat Ferien hat :). Für die Ferien wurde ich erneut von Danielas Familie eingeladen, da sie nach Pahang (Größter Bundesstaat) ihre Großfamilie besuchen wollten. Zuerst sind wir jedoch nach Kuala Lumpur gefahren, um dort den Abschluss von Danielas Gastschwester zu feiern, sie war auf dem GMI (German-Malaysian Institut). Wir besuchten sie dort jedoch nur für einen Tag, da wir schon am nächsten Tag in Pahang nach Taman Negara fahren wollten, den größten Nationalpark von Malaysia und eines der ältesten Dschungelgebiete der Welt. Leider wird – wie fast überall – immer mehr von den Regenwäldern abgeholzt, so wie auch hier in Malaysia, weshalb wir, bevor wir überhaupt den Dschungel sehen konnten, erst einmal durch ein riesiges Plantagengebiet fahren mussten. Ungefähr eine halbe Stunde sind wir dann nur auf einer kleinen Straße durch die Plantagen gefahren, meistens Kokospalmen. Manchmal sieht man Kühe an den Straßenrändern und hier gibt es sogar ein ‘Achtung Kühe’ Verkehrsschild.
Anlegestelle zum Überqueren des Flusses
Als wir dann angekommen waren, sind wir natürlich erst einmal auf einem kleinen Boot, das an der Anlegestelle für die kleinen Speedboote zum Überqueren des Flusses angelegt hat, Essen gegangen. Traditionelles Essen von Pahang: Fisch in Duriansoße (Durian ist die Nationalfrucht von Malaysia, genannt auch „Stinkfrucht“). Auf der anderen Seite des Flusses war dann der Nationalpark, jedoch sind wir erst mit einem kleinen Motorboot den Fluss entlanggefahren, um die Ureinwohner Orang Asli (wörtlich übersetzt: traditioneller Mensch) zu sehen. Das Dorf, das wir dann besucht haben, war zwar nachgebaut, jedoch waren die Menschen echte Ureinwohner, die dafür Geld bekommen, wenn sie Touristen ihren Lebensstil zeigen.
Ureinwohnerhaus
Allerdings leben immer noch echte Orang Asli in Taman Negara, sie sind die einzigen, die dort leben dürfen, da sie die Natur nicht zerstören. Sie leben in kleinen selbstgebauten Hütten mit Blätterdach, die ca. 4 qm groß sind, aus einem Raum bestehend und auf einer großen Erhöhung stehend, damit die Insekten nicht zu den Schlafplätzen kommen. Der Waschraum besteht aus einem Eimer mit Schöpfer, mit dem man sich duschen und waschen kann. In der Siedlung, die wir gesehen haben, war der Waschraum an einem Abhang, damit das Wasser gleich abfließen kann. Richtig schlimm, wenn man bedenkt dass Leute immer noch so leben ! :O
Auf Affenjagd
Außerdem wurde uns von den Ureinwohnern gezeigt, wie ihre Vorfahren Affen gejagt haben. Sie benutzen ein zwei Meter langes Blasrohr, in das giftige Pfeile gesteckt wurden, die, wenn man geübt ist, ziemlich schnell fliegen können und mit denen man sehr genau zielen konnte. Wir durften auch alle einmal ausprobieren auf ein an einer Holzwand aufgehängtes Kuscheltier zu schießen, jedoch habe ich es nicht einmal bis zur Wand geschafft ;)
Elefantenreiten
Am nächsten Tag besuchten wir ein Elefantenressort, wo wir die wunderbare Chance hatten auf einem Elefanten zu reiten und normalerweise auch mit ihnen zu baden. Leider führte der Fluss zu viel Wasser, also konnten wir ‘nur’ reiten, was allerdings richtig super war. Der Elefant schaukelte bei jedem Schritt hin und her, allerdings richtig langsam und gemächlich, trotzdem kam man ziemlich schnell voran. Es ist ein tolles Gefühl und ich konnte gar nicht aufhören zu grinsen, da es wirklich ein einmaliges Gefühl war!
Nachdem wir zehn Tage in Pahang verbracht haben, besuchten wir anschließend eine weitere Austauschschülerin in Johor, ein Bundesstaat im Süden von Malaysia. Wir haben bei ihr bzw. ihrer Gastfamilie fünf Tage, rund um den zweiten Advent, verbracht. In dieser Zeit sind wir u.a. in eine presbyterianische Kirche gegangen und haben an einer Messe teilgenommen, da wir alle, seit wir in Malaysia sind, nicht einmal die Chance hatten, in eine christliche Kirche zu gehen. Außerdem kommt bei 30 Grad Celsius und Sonne den ganzen Tag hier wirklich überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Die Kirche sah schon von innen und außen ganz anders aus, wie wir es von Kirchen aus Deutschland gewohnt sind. Sie war sehr schlicht, keine Bilder und keine Verschnörkelungen.
In der Presbyterianischen Kirche
Aber der Gottesdienst hat uns sehr überrascht, die erste halbe Stunde haben wir nur Lieder auf malaysisch gesungen, allerdings nicht im Sitzen und ruhig, sondern mit richtig lauter Musik. Manche Leute haben getanzt, jeder hat gelacht, die Malayen haben sich gefreut, ‘Weiße’ im Gottesdienst zu sehen und jeder war gut drauf. Der eigentliche Gottesdienst danach war für uns eher langweilig, da wir nicht viel verstanden haben, aber die Stimmung in der Kirche war einfach super! Nach der Kirche gab es draußen noch etwas Kleines zum Essen und Trinken, natürlich wurden wieder Fotos gemacht und wir haben nette Leute in unserem Alter kennengelernt.
Im Anschluss an Johor sind wir direkt nach Kuala Lumpur (KL), der Hauptstadt von Malaysia, weitergefahren, da wir dort unser AFS-Midstay-Camp hatten. Allerdings hat das nicht direkt in KL stattgefunden, sondern in einem Dschungelreservat etwas außerhalb. In den Dschungel sind wir zwar nicht – wie ursprünglich geplant – gegangen, da es in Strömen geregnet hat. Spaß hat das Camp aber trotzdem gemacht! Ich denke, dass das jeder Austauschschüler von AFS bestätigen kann: Es ist einfach toll, mit Leuten aus anderen Ländern seine Erfahrungen zu teilen und zu vergleichen, Spiele zu spielen, Vorbereitungen für das zweite Halbjahr zu treffen und einfach Spaß zusammen zu haben.
Petronas Towers
Danach haben Daniela und ich noch eine Woche in Kuala Lumpur bei einer Gastfamilie verbracht, die mit uns wunderbares Sightseeing rund um KL gemacht hat. Es ist viel angenehmer mit Einheimischen die Stadt zu besichtigen, da sie uns ihre Lieblingsplätze, Restaurants und anderen Sachen zeigen, in die man sonst nie kennengelernt hätte. Außerdem durften wir mit unserer Gastfamilie in KL die bekannten Petronas Twin Towers, die mit 452 Metern höchsten Twin-Towers der Welt, besichtigen und in den 86. Stock fahren, was nur wenige Malayen jemals erlebt haben (da es u.a. zu teuer wäre bzw. unser dortiger Gastvater in den Towers gearbeitet hat). Von dort aus konnten wir ganz KL überblicken und bekamen Erklärungen zu allen wichtigen Gebäuden, wie zum Beispiel ein riesiges und richtig langes Gebäude, das noch aus der Zeit stammt, als Malaysia eine britische Kolonie war.
Außerdem waren wir bei den jungen Malaysischen Philharmonikern, die an diesem Freitagabend unter dem Motto: ‘Friday Night is Music Night’ klassische, aber auch moderne Musikkompositionen gespielt haben, unter anderem die Titelmusik von James Bond, Harry Potter und Fluch der Karibik, aber auch alte malaysische Stücke und wiederum klassische aus der britischen Kolonialzeit, das heißt es war wirklich für jeden etwas dabei! Dieses Konzert war wirklich wunderschön, es war für mich das beste Erlebnis, was ich in der ganzen Zeit in KL hatte, da es einfach etwas ganz Besonderes war!
Das war es erst einmal wieder von mir, viele Grüße aus dem immer-warmen Malaysia,
Sophie

Penang :)

Da ich schon öfters Daniela, eine weitere deutsche Austauschschülerin aus Kangar, und ihre Gastfamilie besucht habe und dort auch schon ein paar Tage gelebt habe, durfte ich mit Daniela, ihrer Gastschwester und Kathi, einer anderen Deutschen, die hier in Malaysia Freiwilligendienst mit AFS macht, die Cousine von Danielas Gastschwester für ein Wochenende in Penang besuchen. Penang ist ein Bundesstaat an der Westküste von Malaysia. Die Cousine lebt in Georgetown, auch die Perle der Orients genannt, einer zwar touristischen Insel, die aber ein altes, koloniales Zentrum besitzt, in dem noch immer die asiatische Atmosphäre vorhanden ist. Dort leben außerdem wirklich viele Chinesen und Inder, die drei bekanntesten und am meisten verbreitetesten Nationalitäten in Malaysia (im Gegensatz zu den meisten Regionen in Malaysia, in denen normalerweise viel mehr Malayen als Inder und Chinesen leben).
Der Engländer Sir George Leith schrieb Anfang 19.Jahrhundert über Penang:
„Es gibt wohl kaum in irgendeinem Gebiet der Welt einen so kleinen Ort, in dem so viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Nationalitäten leben und in dem eine solche Vielzahl an Sprachen gesprochen wird.“
Und ich finde, der Spruch passt richtig gut :)
Weg zum Tempel
Außerdem ist Georgetown die Hauptstadt von Penang. Dort gibt es den größten Buddhistischen Tempel von Malaysia, der Kek Lok Si-Tempel, den wir natürlich besichtigt haben. Der Tempel liegt auf einem kleinen Berg, also mussten wir uns erst einmal durch tausende kleine Souvenirläden kämpfen, was wirklich anstrengend ist, da die Händler wirklich allen Platz nutzen, den man irgendwie bekommen kann. Das heißt: Kleidung hängt über dir, links und rechts liegen Souvenirs, dazwischen ein ca. 1 – 2 Meter breiter Weg, auf dem dann die Verkäufer stehen und dich ansprechen und ihre Sachen verkaufen wollen, dann kommen dir Leute entgegen, andere bleiben stehen und schauen sich die Sachen an und es ist schwül-heiß. Danach ist man müde wie nach 2 Stunden Sport! Aber man kann dort wirklich alles kaufen: Chinesische Masken, malaysische Batikklamotten, geschnitzte hinduistische und buddhistische Figuren von Göttern, gefälschte Parfüms, Taschen, Spielzeug, malaysische Souvenirs und natürlich Snacks zum Essen.
Buddhastatuen im Tempel
Aber irgendwann sind wir dann doch oben angekommen und der Weg hat sich mehr als gelohnt. Dort gibt es tausende Gebetshäuser, in denen die verschiedenen Götter verehrt werden, eine riesige Gebetshalle, überall Buddha und andere Statuen, alles ist mit kleinen Wegen miteinander verbunden, bunt und wunderschön. Dieser Tempel war für mich eindeutig von allen Tempeln, die ich bereits in Malaysia gesehen habe, der schönste und imposanteste.
Blick auf verschiedene Häuser im Tempel
Am anderen Tag sind wir dann nach Pulau Jerejak gefahren, einer kleinen vorgelagerten Insel von Georgetown. Wie eigentlich überall in Malaysia, gibt es Dschungel dort, und wir haben eine geführte Tour, mit anderen Touristen, gemacht, bei der wir unter anderem über eine Hängebrücke gehen und Seilbahn fahren konnten.
Brücke im Dschungel
Auch wenn es meine erste Dschungeltour war, fand ich sie nicht so spannend wie ich gedacht hätte. Was allerdings auch daran liegen kann, dass es zwar schon ein richtiger Dschungel, aber ziemlich klein und durch die vielen Touristen schon nicht mehr so ursprünglich war, wie ich angenommen hatte.
Congkak spielen
Während wir auf die Fähre zurück nach Georgetown warteten, haben wir dann auch noch ein traditionelles malayisches Spiel (Congkak, gesprochen Jonka) gespielt, bei dem es darum geht, möglichst viele Steine in ein Fach zu bekommen. Eigentlich ein sehr einfaches Spiel, macht aber trotzdem sehr viel Spaß :) Dann kann ich gleich noch etwas über ein anderes traditionelles Spiel schreiben. Batu Seremban, ein bei Kindern beliebtes Spiel, bei dem man sieben kleine Steine hat, einen hochwirft und dabei versucht, andere aufzuheben, klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht. Haha, aber mittlerweile bin ich Profi :)

Dienstag, 24. Januar 2012

halbzeit :)

Okay, zuerst muss ich sagen, das ich leider zu spät bin, da ich diesen Bericht schon vor einem Monat geschireben habe, nur leider noch nciht hierhin gepostet habe.... Also jetzt dann :

Selamat tenga hari,
jetzt ist schon fast die Hälfte meines Austauschjahres in Malaysia um. Und ich muss sagen, ich merke immer wieder, wie malayisch ich doch schon geworden bin, zum Beispiel beim Wetter: Bei für malayische Verhältnisse kalten 25 Grad sitze ich im Klassenzimmer und friere (wie alle anderen) in der langen Schuluniform. Das ist ein komisches Gefühl, da für mich nun die normale Temperatur bei 30 Grad und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit liegt.
Außerdem fange ich an, wie alle Malayen, weiße Menschen auf der Straße anzustarren, weil man, besonders in meinem Bundesstaat Perlis, wirklich selten andere Europäer sieht. Obwohl ich ja selbst weiß bin und mich nahezu jeder anstarrt, sei es wegen meiner Hautfarbe, der blonden langen Haare, selbst für deutsche Verhältnisse großen Körpergröße und so weiter. Man ist und bleibt hier einfach ein Tourist und Ausländer. Deshalb kommt es auch nach einem halben Jahr noch öfters vor, dass man ein ‘Selamat datang di Malaysia’ (Herzlich Willkommen in Malaysia) gesagt bekommt, wenn man neue Leute kennenlernt.
Auch mit der Uhrzeit geht man vollkommen anders um: Wenn jemand sagt, dass er um 17 Uhr kommt, reicht es vollkommen aus, wenn man sich um 17:30 Uhr fertigmacht, kommt er dann doch ausnahmsweise einmal pünktlich, macht das auch nichts, dann muss er halt warten. Warten ist hier sowieso etwas, was man immer und überall machen muss. Als ich noch in Deutschland war, wusste ich auch nicht, was tiefe Gastfreundschaft heißt, was richtige Langeweile, aber auch Gelassenheit bedeutet und auf welch hohem Niveau wir uns eigentlich beschweren. Die Gastfreundschaft ist hier, wie ich schon öfters erwähnt habe, einfach sehr wichtig und auch selbstverständlich.
Daniela und ich backen Karipap
Neulich waren wir zum Beispiel eine Familie mit 7 Kindern in einem ‘rumah kampung’ (Dörfliches Haus) besuchen. Die Familie wohnt in zwei Zimmern und die Kinder schlafen auf dem Boden vor dem Fernseher. Wir waren herzlich willkommen und haben dort auch gelernt ‘Karipap’ und ‘Roti Jala’ zu machen, zwei traditionelle Snacks.
Außerdem sind Malayen sehr gelassen. Für Dezember war eine Flut angekündigt und für die meisten Häuser bedeutet das, dass das Erdgeschoss 20-30 Zentimeter überschwemmt wird. Was in Deutschland eine riesige Katastrophe wäre, ist hier etwas ganz Normales und passiert eigentlich jedes Jahr. Und die Vorbereitungen sind auch minimal: Wichtige Sachen werden auf Erhöhungen gestellt, der Rest wird das Wasser schon überleben. Das hat mir meine Chapterleaderin so erklärt ;)
Karte von Westmalaysia
Und im letzten Monat ist wieder so viel passiert. Das Bedeutendste ist wohl, dass ich die Familie gewechselt habe. Da meine bisherige Familie in einer sehr abgelegenen Gegend direkt am Dschungel an der Grenze zu Thailand in einem sehr traditionell-muslimischen Dorf lebt, hat mir AFS für die 2. Jahreshälfte die Chance geboten, diese Zeit in einer eher modernen muslimischen Umgebung zu erleben. In der neuen Familie bin ich sehr glücklich: Ich lebe mit meinen Gasteltern und mit zwei älteren Gastschwestern und dem Baby der einen Schwester in der Nähe von Kangar, der Hauptstadt von meinem Bundesstaat Perlis. Außerdem habe ich noch sieben weitere Geschwister, die allerdings über ganz Malaysia verstreut leben. Da ich jetzt zentraler wohne, kann ich – im Gegensatz zu früher – an allen Chapteraktivitäten teilnehmen und meine Freunde treffen :) Ausserdem muss ich einfach sagen, dass es mir in der neuen Familie viel besser geht, weil sie sich mehr um mich sorgen und kümmern, deshalb gehts mir wirklich gut :)

Freitag, 2. Dezember 2011

Reisernte, das ist ein Spaß :P

Ein Laden für traditionelle Kleidung (Baju Melayu, Baju Kurung und Kopftücher)
Außerdem haben die anderen Austauschschüler an einem Tanzkurs teilgenommen (ich konnte nicht mitmachen, da ich von den anderen Austauschschülern zu weit entfernt wohne) und dann auch an einem Wettbewerb mitgemacht. Alle Gruppen haben jeweils eine andere Choreografie desselben Liedes geprobt und führten sie dann nacheinander auf. Da ich ja nicht mitgeübt habe, schaute ich mit den anderen AFS-Leuten zu, machte Fotos und drehte kleine Filme. Zu der Aufführung gehörte allerdings nicht nur das eigentliche Tanzen, sondern auch Kostüme, Frisuren und Make-up, damit auch wirklich alles stimmt. Natürlich war es für alle Malayen ein tolles Erlebnis, “orang putih” (weisse Menschen) einen traditionellen malayischen Tanz tanzen zu sehen und wir kamen damit sogar ins Fernsehen (die anderen Austauschschüler mit dem Tanz, ich wurde – das erzählte mir dann meine Lehrerin – immer in den Pausen zwischen den Tänzen gezeigt, da ich ja ein “weisser Zuschauer“ war) und in die Zeitung.
Alle im Reisfeld...
Wie schon einmal erwähnt, ist hier in Malaysia Reis das Grundnahrungsmittel, weshalb es unser Chapter notwendig fand, dass wir auch lernen, was für eine Arbeit der traditionelle Reisanbau eigentlich ist. Also haben wir auch die traditionelle Reisanbaukleidung (Sarong: ein langes Tuch, das man – besonders häufig im Dorf – als Rock anzieht) als Rock und Kopftuch, und als T-Shirt Baju Kedah, ein gemustertes weites Hemd) angezogen.
Anschließend sind wir – vor den Augen der Frau des Königs und mindestens 10 Fotografen – barfuß ins Reisfeld gestiegen. Ja, ich schreibe bewusst IN das Reisfeld, da Reisfelder ja immer mit Wasser geschwemmt sind und wir dann kniehoch im Matsch standen ;-) ! Was für ein Gefühl! Allerdings wurde uns vorher gesagt, dass es in den Reisfeldern Wasserschlangen, Fische, Blutegel und Schnecken gibt, weshalb alle lieber nicht so lange auf einer Stelle stehengeblieben sind. Schnecken gab es wirklich viele, die Fische haben wir wahrscheinlich verscheucht, aber zum Glück ist keiner von uns auf einen Blutegel oder eine Wasserschlange gestoßen, also weiß ich nicht, ob das nur ein Gerücht war oder ob sie wirklich im Reisfeld leben.
Nach dem Reisanpflanzen wird dann noch das typische Fotoshooting mit alle Austauschschülern, AFS-Betreuern und allen anderen wichtigen Personen gemacht. Das Resultat: Am nächsten Tag sind wir das zweite Mal in einer Woche mit Bild und Artikel in der Zeitung zu sehen ;-)
Viele Grüße aus dem immer-warmen Malaysia (ca. 32 Grad Celsius) Sophie

Deepavali mit Daniela :)

In der letzten Oktoberwoche hatten wir Schulferien, da Deepavali (wörtlich übersetzt: Lichterreihe), das Fest der Lichter, von den Indern gefeiert wurde. Die Inder machen rund 10 % der Bevölkerung West-Malaysias aus. Die meisten Inder kamen erst im 20. Jahrhundert, um in den Plantagen (z.B. Tee, Gummi) zu arbeiten. Eine andere Austauschschülerin und ich hatten das Glück, dieses Fest in einer indischen Familie verbringen zu dürfen. Die Familie lebt in einer kleinen Wohnsiedlung, in der, was mich sehr erstaunt hat, Malayen, Chinesen und Inder zusammen wohnen. In dem Dorf meiner Gastfamilie wohnen ausschließlich Malayen. Die indische Familie war einfach super nett.
Zugegeben, zuerst waren wir etwas geschockt, weil die Familie (Eltern, 1 Sohn und 3 Töchter) auf geschätzten 50 qm² wohnt und ich kam mir in der ersten halben Stunde einfach total zusammengedrängt und eingesperrt vor, aber als wir uns dann etwas einlebten, war ich wirklich überrascht: Wenn man sich vorstellt, dass die Familie relativ spontan gefragt wurde, ob sie 2 Studenten aufnimmt, um ihnen Deepavali und die indische Kultur zu zeigen und die Familie direkt ja sagt, eines der 2 Schlafzimmer für uns räumt und total nett, aufgeschlossen und hilfsbereit ist, so ist das wirklich unglaublich gastfreundlich!
Indischer Gebetstisch
Und es war wirklich eine tolle Zeit! Wir kamen am 25.10. an, also dem Tag vor Deepavali, haben noch die typischen Vorbereitungen für den nächsten Tag mitbekommen, besuchten am Abend die Großeltern und haben schon mal unsere ersten indischen Eindrücke gewonnen, zum Beispiel hat jede Familie einen Gebetstisch, -schrank oder einfach ein Regalbrett.
Wir im Sari mit unserer indischen Gastfamilie im Tempel
Am nächsten Tag durften wir dann in Saris zu dem indischen Tempel fahren, da die Familie für ihre Götter beten wollte. Der Tempel war wirklich wunderschön, ganz viele Statuen von den Göttern und Gemälde, sehr viele Inder in tollen Kleidern und jeder war froh und lachte, eine tolle Atmosphäre.
Danach kehrten wir alle nach Hause zurück und haben andere, etwas bequemere indische Kleidung geschenkt bekommen, eine Art Kleid mit Hose, genannt Punjabee, wirklich schön.
Wir in Punjabee hinter dem Blumenmuster
Das eigentliche Fest lief dann ähnlich wie Hari Raya bei den Muslimen ab, es kamen Freunde und Verwandte, man selber ging auch alle Menschen besuchen, die man kennt und überall wurde einem etwas zum Essen angeboten. In einem Haus war auch ein traditionelles Blumenmuster auf den Boden gemalt, das dann mit gefärbtem Reis ausgefüllt wurde und Glück bringen soll.
Topai
Am nächsten Tag besuchten wir dann verschiedene “Geschwister”. Es war wirklich toll, man wird überall extrem nett und freundlich aufgenommen, wir bekamen überall die Bilder von wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten zu sehen und natürlich zu essen, meistens Topai oder Reis mit Curry (Hühnchen in Currysoße). Topai ist eine Art Pfannkuchen, die man auch mit Curry oder Ziege isst. Sehr lecker! Ich habe an dem Tag ca. 6 Mal gegessen, davon 4 Mal Topai :-)
Eingang in die Höhle
Da wir uns wirklich gut mit der Familie verstanden haben, sind wir noch einen Tag länger dort geblieben, an dem sie uns eine Art buddhistischen Tempel zeigten. Allerdings war es nicht wirklich ein Tempel, sondern eine Höhle in einem Felsen. Innen ist alles schön ausgeleuchtet und es befanden sich überall, in kleinen Abständen, Gebetsnischen. Leider mussten wir dann am Nachmittag wieder gehen, aber es war trotzdem eine ganz tolle Erfahrung, eine andere Kultur in Malaysia so intensiv mitzubekommen und natürlich eine richtig schöne Zeit.

Bilder Malaysia

So, als Erstes möchte ich noch ein paar Fotos nachreichen, die wahrscheinlich mein Leben hier besser beschreiben können als noch ein Bericht:
Unser Haus…
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…meine Straße, in der ich wohne
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Unsere Küche…
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…Kochen für das Fastenbrechen in der Moschee
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