Freitag, 27. Januar 2012

Penang :)

Da ich schon öfters Daniela, eine weitere deutsche Austauschschülerin aus Kangar, und ihre Gastfamilie besucht habe und dort auch schon ein paar Tage gelebt habe, durfte ich mit Daniela, ihrer Gastschwester und Kathi, einer anderen Deutschen, die hier in Malaysia Freiwilligendienst mit AFS macht, die Cousine von Danielas Gastschwester für ein Wochenende in Penang besuchen. Penang ist ein Bundesstaat an der Westküste von Malaysia. Die Cousine lebt in Georgetown, auch die Perle der Orients genannt, einer zwar touristischen Insel, die aber ein altes, koloniales Zentrum besitzt, in dem noch immer die asiatische Atmosphäre vorhanden ist. Dort leben außerdem wirklich viele Chinesen und Inder, die drei bekanntesten und am meisten verbreitetesten Nationalitäten in Malaysia (im Gegensatz zu den meisten Regionen in Malaysia, in denen normalerweise viel mehr Malayen als Inder und Chinesen leben).
Der Engländer Sir George Leith schrieb Anfang 19.Jahrhundert über Penang:
„Es gibt wohl kaum in irgendeinem Gebiet der Welt einen so kleinen Ort, in dem so viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Nationalitäten leben und in dem eine solche Vielzahl an Sprachen gesprochen wird.“
Und ich finde, der Spruch passt richtig gut :)
Weg zum Tempel
Außerdem ist Georgetown die Hauptstadt von Penang. Dort gibt es den größten Buddhistischen Tempel von Malaysia, der Kek Lok Si-Tempel, den wir natürlich besichtigt haben. Der Tempel liegt auf einem kleinen Berg, also mussten wir uns erst einmal durch tausende kleine Souvenirläden kämpfen, was wirklich anstrengend ist, da die Händler wirklich allen Platz nutzen, den man irgendwie bekommen kann. Das heißt: Kleidung hängt über dir, links und rechts liegen Souvenirs, dazwischen ein ca. 1 – 2 Meter breiter Weg, auf dem dann die Verkäufer stehen und dich ansprechen und ihre Sachen verkaufen wollen, dann kommen dir Leute entgegen, andere bleiben stehen und schauen sich die Sachen an und es ist schwül-heiß. Danach ist man müde wie nach 2 Stunden Sport! Aber man kann dort wirklich alles kaufen: Chinesische Masken, malaysische Batikklamotten, geschnitzte hinduistische und buddhistische Figuren von Göttern, gefälschte Parfüms, Taschen, Spielzeug, malaysische Souvenirs und natürlich Snacks zum Essen.
Buddhastatuen im Tempel
Aber irgendwann sind wir dann doch oben angekommen und der Weg hat sich mehr als gelohnt. Dort gibt es tausende Gebetshäuser, in denen die verschiedenen Götter verehrt werden, eine riesige Gebetshalle, überall Buddha und andere Statuen, alles ist mit kleinen Wegen miteinander verbunden, bunt und wunderschön. Dieser Tempel war für mich eindeutig von allen Tempeln, die ich bereits in Malaysia gesehen habe, der schönste und imposanteste.
Blick auf verschiedene Häuser im Tempel
Am anderen Tag sind wir dann nach Pulau Jerejak gefahren, einer kleinen vorgelagerten Insel von Georgetown. Wie eigentlich überall in Malaysia, gibt es Dschungel dort, und wir haben eine geführte Tour, mit anderen Touristen, gemacht, bei der wir unter anderem über eine Hängebrücke gehen und Seilbahn fahren konnten.
Brücke im Dschungel
Auch wenn es meine erste Dschungeltour war, fand ich sie nicht so spannend wie ich gedacht hätte. Was allerdings auch daran liegen kann, dass es zwar schon ein richtiger Dschungel, aber ziemlich klein und durch die vielen Touristen schon nicht mehr so ursprünglich war, wie ich angenommen hatte.
Congkak spielen
Während wir auf die Fähre zurück nach Georgetown warteten, haben wir dann auch noch ein traditionelles malayisches Spiel (Congkak, gesprochen Jonka) gespielt, bei dem es darum geht, möglichst viele Steine in ein Fach zu bekommen. Eigentlich ein sehr einfaches Spiel, macht aber trotzdem sehr viel Spaß :) Dann kann ich gleich noch etwas über ein anderes traditionelles Spiel schreiben. Batu Seremban, ein bei Kindern beliebtes Spiel, bei dem man sieben kleine Steine hat, einen hochwirft und dabei versucht, andere aufzuheben, klingt einfach, ist aber gar nicht so leicht. Haha, aber mittlerweile bin ich Profi :)

Dienstag, 24. Januar 2012

halbzeit :)

Okay, zuerst muss ich sagen, das ich leider zu spät bin, da ich diesen Bericht schon vor einem Monat geschireben habe, nur leider noch nciht hierhin gepostet habe.... Also jetzt dann :

Selamat tenga hari,
jetzt ist schon fast die Hälfte meines Austauschjahres in Malaysia um. Und ich muss sagen, ich merke immer wieder, wie malayisch ich doch schon geworden bin, zum Beispiel beim Wetter: Bei für malayische Verhältnisse kalten 25 Grad sitze ich im Klassenzimmer und friere (wie alle anderen) in der langen Schuluniform. Das ist ein komisches Gefühl, da für mich nun die normale Temperatur bei 30 Grad und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit liegt.
Außerdem fange ich an, wie alle Malayen, weiße Menschen auf der Straße anzustarren, weil man, besonders in meinem Bundesstaat Perlis, wirklich selten andere Europäer sieht. Obwohl ich ja selbst weiß bin und mich nahezu jeder anstarrt, sei es wegen meiner Hautfarbe, der blonden langen Haare, selbst für deutsche Verhältnisse großen Körpergröße und so weiter. Man ist und bleibt hier einfach ein Tourist und Ausländer. Deshalb kommt es auch nach einem halben Jahr noch öfters vor, dass man ein ‘Selamat datang di Malaysia’ (Herzlich Willkommen in Malaysia) gesagt bekommt, wenn man neue Leute kennenlernt.
Auch mit der Uhrzeit geht man vollkommen anders um: Wenn jemand sagt, dass er um 17 Uhr kommt, reicht es vollkommen aus, wenn man sich um 17:30 Uhr fertigmacht, kommt er dann doch ausnahmsweise einmal pünktlich, macht das auch nichts, dann muss er halt warten. Warten ist hier sowieso etwas, was man immer und überall machen muss. Als ich noch in Deutschland war, wusste ich auch nicht, was tiefe Gastfreundschaft heißt, was richtige Langeweile, aber auch Gelassenheit bedeutet und auf welch hohem Niveau wir uns eigentlich beschweren. Die Gastfreundschaft ist hier, wie ich schon öfters erwähnt habe, einfach sehr wichtig und auch selbstverständlich.
Daniela und ich backen Karipap
Neulich waren wir zum Beispiel eine Familie mit 7 Kindern in einem ‘rumah kampung’ (Dörfliches Haus) besuchen. Die Familie wohnt in zwei Zimmern und die Kinder schlafen auf dem Boden vor dem Fernseher. Wir waren herzlich willkommen und haben dort auch gelernt ‘Karipap’ und ‘Roti Jala’ zu machen, zwei traditionelle Snacks.
Außerdem sind Malayen sehr gelassen. Für Dezember war eine Flut angekündigt und für die meisten Häuser bedeutet das, dass das Erdgeschoss 20-30 Zentimeter überschwemmt wird. Was in Deutschland eine riesige Katastrophe wäre, ist hier etwas ganz Normales und passiert eigentlich jedes Jahr. Und die Vorbereitungen sind auch minimal: Wichtige Sachen werden auf Erhöhungen gestellt, der Rest wird das Wasser schon überleben. Das hat mir meine Chapterleaderin so erklärt ;)
Karte von Westmalaysia
Und im letzten Monat ist wieder so viel passiert. Das Bedeutendste ist wohl, dass ich die Familie gewechselt habe. Da meine bisherige Familie in einer sehr abgelegenen Gegend direkt am Dschungel an der Grenze zu Thailand in einem sehr traditionell-muslimischen Dorf lebt, hat mir AFS für die 2. Jahreshälfte die Chance geboten, diese Zeit in einer eher modernen muslimischen Umgebung zu erleben. In der neuen Familie bin ich sehr glücklich: Ich lebe mit meinen Gasteltern und mit zwei älteren Gastschwestern und dem Baby der einen Schwester in der Nähe von Kangar, der Hauptstadt von meinem Bundesstaat Perlis. Außerdem habe ich noch sieben weitere Geschwister, die allerdings über ganz Malaysia verstreut leben. Da ich jetzt zentraler wohne, kann ich – im Gegensatz zu früher – an allen Chapteraktivitäten teilnehmen und meine Freunde treffen :) Ausserdem muss ich einfach sagen, dass es mir in der neuen Familie viel besser geht, weil sie sich mehr um mich sorgen und kümmern, deshalb gehts mir wirklich gut :)

Freitag, 2. Dezember 2011

Reisernte, das ist ein Spaß :P

Ein Laden für traditionelle Kleidung (Baju Melayu, Baju Kurung und Kopftücher)
Außerdem haben die anderen Austauschschüler an einem Tanzkurs teilgenommen (ich konnte nicht mitmachen, da ich von den anderen Austauschschülern zu weit entfernt wohne) und dann auch an einem Wettbewerb mitgemacht. Alle Gruppen haben jeweils eine andere Choreografie desselben Liedes geprobt und führten sie dann nacheinander auf. Da ich ja nicht mitgeübt habe, schaute ich mit den anderen AFS-Leuten zu, machte Fotos und drehte kleine Filme. Zu der Aufführung gehörte allerdings nicht nur das eigentliche Tanzen, sondern auch Kostüme, Frisuren und Make-up, damit auch wirklich alles stimmt. Natürlich war es für alle Malayen ein tolles Erlebnis, “orang putih” (weisse Menschen) einen traditionellen malayischen Tanz tanzen zu sehen und wir kamen damit sogar ins Fernsehen (die anderen Austauschschüler mit dem Tanz, ich wurde – das erzählte mir dann meine Lehrerin – immer in den Pausen zwischen den Tänzen gezeigt, da ich ja ein “weisser Zuschauer“ war) und in die Zeitung.
Alle im Reisfeld...
Wie schon einmal erwähnt, ist hier in Malaysia Reis das Grundnahrungsmittel, weshalb es unser Chapter notwendig fand, dass wir auch lernen, was für eine Arbeit der traditionelle Reisanbau eigentlich ist. Also haben wir auch die traditionelle Reisanbaukleidung (Sarong: ein langes Tuch, das man – besonders häufig im Dorf – als Rock anzieht) als Rock und Kopftuch, und als T-Shirt Baju Kedah, ein gemustertes weites Hemd) angezogen.
Anschließend sind wir – vor den Augen der Frau des Königs und mindestens 10 Fotografen – barfuß ins Reisfeld gestiegen. Ja, ich schreibe bewusst IN das Reisfeld, da Reisfelder ja immer mit Wasser geschwemmt sind und wir dann kniehoch im Matsch standen ;-) ! Was für ein Gefühl! Allerdings wurde uns vorher gesagt, dass es in den Reisfeldern Wasserschlangen, Fische, Blutegel und Schnecken gibt, weshalb alle lieber nicht so lange auf einer Stelle stehengeblieben sind. Schnecken gab es wirklich viele, die Fische haben wir wahrscheinlich verscheucht, aber zum Glück ist keiner von uns auf einen Blutegel oder eine Wasserschlange gestoßen, also weiß ich nicht, ob das nur ein Gerücht war oder ob sie wirklich im Reisfeld leben.
Nach dem Reisanpflanzen wird dann noch das typische Fotoshooting mit alle Austauschschülern, AFS-Betreuern und allen anderen wichtigen Personen gemacht. Das Resultat: Am nächsten Tag sind wir das zweite Mal in einer Woche mit Bild und Artikel in der Zeitung zu sehen ;-)
Viele Grüße aus dem immer-warmen Malaysia (ca. 32 Grad Celsius) Sophie

Deepavali mit Daniela :)

In der letzten Oktoberwoche hatten wir Schulferien, da Deepavali (wörtlich übersetzt: Lichterreihe), das Fest der Lichter, von den Indern gefeiert wurde. Die Inder machen rund 10 % der Bevölkerung West-Malaysias aus. Die meisten Inder kamen erst im 20. Jahrhundert, um in den Plantagen (z.B. Tee, Gummi) zu arbeiten. Eine andere Austauschschülerin und ich hatten das Glück, dieses Fest in einer indischen Familie verbringen zu dürfen. Die Familie lebt in einer kleinen Wohnsiedlung, in der, was mich sehr erstaunt hat, Malayen, Chinesen und Inder zusammen wohnen. In dem Dorf meiner Gastfamilie wohnen ausschließlich Malayen. Die indische Familie war einfach super nett.
Zugegeben, zuerst waren wir etwas geschockt, weil die Familie (Eltern, 1 Sohn und 3 Töchter) auf geschätzten 50 qm² wohnt und ich kam mir in der ersten halben Stunde einfach total zusammengedrängt und eingesperrt vor, aber als wir uns dann etwas einlebten, war ich wirklich überrascht: Wenn man sich vorstellt, dass die Familie relativ spontan gefragt wurde, ob sie 2 Studenten aufnimmt, um ihnen Deepavali und die indische Kultur zu zeigen und die Familie direkt ja sagt, eines der 2 Schlafzimmer für uns räumt und total nett, aufgeschlossen und hilfsbereit ist, so ist das wirklich unglaublich gastfreundlich!
Indischer Gebetstisch
Und es war wirklich eine tolle Zeit! Wir kamen am 25.10. an, also dem Tag vor Deepavali, haben noch die typischen Vorbereitungen für den nächsten Tag mitbekommen, besuchten am Abend die Großeltern und haben schon mal unsere ersten indischen Eindrücke gewonnen, zum Beispiel hat jede Familie einen Gebetstisch, -schrank oder einfach ein Regalbrett.
Wir im Sari mit unserer indischen Gastfamilie im Tempel
Am nächsten Tag durften wir dann in Saris zu dem indischen Tempel fahren, da die Familie für ihre Götter beten wollte. Der Tempel war wirklich wunderschön, ganz viele Statuen von den Göttern und Gemälde, sehr viele Inder in tollen Kleidern und jeder war froh und lachte, eine tolle Atmosphäre.
Danach kehrten wir alle nach Hause zurück und haben andere, etwas bequemere indische Kleidung geschenkt bekommen, eine Art Kleid mit Hose, genannt Punjabee, wirklich schön.
Wir in Punjabee hinter dem Blumenmuster
Das eigentliche Fest lief dann ähnlich wie Hari Raya bei den Muslimen ab, es kamen Freunde und Verwandte, man selber ging auch alle Menschen besuchen, die man kennt und überall wurde einem etwas zum Essen angeboten. In einem Haus war auch ein traditionelles Blumenmuster auf den Boden gemalt, das dann mit gefärbtem Reis ausgefüllt wurde und Glück bringen soll.
Topai
Am nächsten Tag besuchten wir dann verschiedene “Geschwister”. Es war wirklich toll, man wird überall extrem nett und freundlich aufgenommen, wir bekamen überall die Bilder von wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten zu sehen und natürlich zu essen, meistens Topai oder Reis mit Curry (Hühnchen in Currysoße). Topai ist eine Art Pfannkuchen, die man auch mit Curry oder Ziege isst. Sehr lecker! Ich habe an dem Tag ca. 6 Mal gegessen, davon 4 Mal Topai :-)
Eingang in die Höhle
Da wir uns wirklich gut mit der Familie verstanden haben, sind wir noch einen Tag länger dort geblieben, an dem sie uns eine Art buddhistischen Tempel zeigten. Allerdings war es nicht wirklich ein Tempel, sondern eine Höhle in einem Felsen. Innen ist alles schön ausgeleuchtet und es befanden sich überall, in kleinen Abständen, Gebetsnischen. Leider mussten wir dann am Nachmittag wieder gehen, aber es war trotzdem eine ganz tolle Erfahrung, eine andere Kultur in Malaysia so intensiv mitzubekommen und natürlich eine richtig schöne Zeit.

Bilder Malaysia

So, als Erstes möchte ich noch ein paar Fotos nachreichen, die wahrscheinlich mein Leben hier besser beschreiben können als noch ein Bericht:
Unser Haus…
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…meine Straße, in der ich wohne
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Unsere Küche…
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…Kochen für das Fastenbrechen in der Moschee
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Dienstag, 1. November 2011

Langkawi das zweite Mal :)


Und genau einen Monat  später (Okt.) ist es dann wieder soweit, unsere delayed Orientation findet  auf Langkawi statt. Drei Tage Sonne, Strand und Sightseeing. Wir sind 5 Deutsche und eine Belgierin als  Austauschschüler in unserem Chapter, also verbringen wir die Tage zusammen. Langkawi ist einfach toll, riesige leere Sandstrände, tolle Shoppingmalls und trotzdem hat es noch typische malayische Dörfer und ist keine pure Touristensinsel. Am Donnerstagabend fahren wir dann mit der Fähre eine Stunde von Kuala Perlis (der Hafen in Perlis) nach Langkawi. Dort angekommen sehen wir gleich den riesigen nachgebauten Adler, wie gesagt das Wahrzeichen von Langkawi. Diese Statue ist wahrscheinlich das Berühmteste auf der Insel, allerdings ist sie leider gerade in Reparatur.
Anschließend gehen wir dann in ein indisch-malayisches Restaurant, in dem wir Naan Cheese Garlic (eine Art Fladenbrot gefüllt mit Käse und Knoblauch mit 3 verschiedenen Soßen) essen. Am nächsten Morgen erhalten wir dann das wahrscheinlich europäischste Frühstück in den drei Monaten: Spiegeleier, Würstchen, Toast, Nutella und Honig. Nun besichtigen wir ein nachgestelltes traditionelles malayisches Dorf. Traditionelle malayische Holzhäuser stehen auf Stelzen und haben meistens nur einen Raum. Sie sind wunderschön mit handgearbeiteten Holzmustern und Verschnörkelungen.
Außerdem fahren wir mit einer Seilbahn auf einen riesigen Berg, von dem man eine tolle Aussicht über die ganze Insel hat. Danach gehen wir in einer Höhe von 687 Metern über dem Meeresspiegel über eine geschwungene Fußgängerbrücke (bekannt als die Langkawi Sky-Bridge), die 125 m lang ist und leider auch etwas wackelt. Aber es ist ein tolles Gefühl, da wir fast in den Wolken stehen und trotzdem eine atemberaubende Aussicht haben.
Dann gehen wir in eine Kunstgalerie, in der selbstgebatikte Tücher, Kleidung und Kunstgegenstände verkauft werden. Dort dürfen wir auch selber batiken und Tücher bemalen. Mit den verschiedenen Techniken kann man die Farben verlaufen, vermischen und heller werden lassen, so dass wir alle danach richtig schöne Bilder mit nach Hause nehmen können. Abends laufen wir dann noch an einen Strand, an dem wir Banana-Boat gefahren sind. Das ist war wirklich lustig, jedoch sind wir in 15 Minuten 6 Mal ins Wasser gefallen, was jedes Mal schmerzhafter wird und man auch immer weniger Kraft hat, um sich wieder auf das Boot zu ziehen, jedoch ist es auch wirklich lustig!
Am Samstag segeln wir dann, über das blaue Wasser auf einem tollen Segelschiff. Es ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis! Unterwegs halten wir an einem tollen Strand an und schwimmen zum Ufer, wo allerdings leider eine andere Austauschschülerin von einer Qualle berührt wird. Da sie auf Quallen allergisch reagiert, segeln wir wieder zurück aufs Festland, um dort in eine Klinik zu fahren. Glücklicherweise geht es ihr aber relativ schnell wieder gut.
Sonntag – leider der letzte Tag auf Langkawi – fahren wir in den Geopark. Dieses Gebiet ist 550 Millionen Jahre alt und vor allem für die Mangrovenwälder bekannt. Mangroven sind Bäume, die sich in Salzwassersümpfen oder einfach an Ufern von Meereswasser ansiedeln und sehr wichtig sind für das weltweite Ökosystem. Außerdem gehört dieses Gebiet zum UNESCO-Kulturerbe. Trotzdem können wir mit dem Boot durch das ganze Gebiet fahren und die Mangroven, Höhlen, Affen, Fische und Felsen aus der Nähe betrachten. Und wir fahren schließlich noch zu einer Fischfarm, in der wir extrem giftige Rochen, Zitteraale und jede Menge anderer Fische anfassen und füttern dürfen. Spaeter sind wir dann ueber das offene Meer zurueckgefahren, und haben dabei sogar Delfine gesehen! Wirklich großartig!

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Alltag


Nun, da ich mich gut eingelebt habe und den Alltag in Malaysia miterleben konnte, möchte ich ein bisschen von meinem Alltagsleben hier erzählen. Am besten fange ich mit meinem Tagesablauf an:
Um 6:15 Uhr stehe ich mit meiner älterern Schwester Nadhrah (16) auf. Wir duschen, natürlich kalt, ziehen unsere Schuluniformen an und packen die Schulsachen. Anschließend gibt es ein schnelles Frühstück und wir bereiten auch unser Essen für die Schule vor. Um 7 Uhr gehen wir dann nach draußen, um auf eine Freundin zu warten, deren Vater uns mit zur Schule nimmt. Meistens warten wir bis 7:15, da hier auf Pünktlichkeit nicht so großen Wert gelegt wird wie in Deutschland. Bis zur Schule nach Kaki Bukit fahren wir ca. 10 Minuten, eine für malayische Verhältnisse kleine Stadt, in Deutschland würden wir es als kleines Dorf bezeichnen. Normalerweise fängt um 7:45 Uhr der Unterricht an, nur am Montag und Freitag starten wir mit einer Schulversammlung, in der die wichtigsten Ereignisse der kommenden Woche besprochen und Schüler geehrt werden, die etwas Besonderes geleistet haben. An den anderen 3 Tagen beginnt der Unterricht – wie schon gesagt – um 7.45 Uhr. Es kann auch passieren, dass die Stunde anfängt und der Lehrer nur kurz kommt, um uns Aufgaben zu geben und dann wieder geht. Da ein Lehrer hier eine große  Respektperson darstellt, werden die gestellten Aufgaben dann auch ruhig und diszipliniert erledigt.
Wie ich schon in meinem ersten Bericht erwähnt habe, sind die Lehrer nicht nur sehr respektiert, sondern haben auch gleichzeitig ein viel besseres Verhältnis zu den Schülern, als ich es in Deutschland erlebt habe. Das merkt man zum Beispiel daran, dass mein Schuldirektor nach Schulschluss auf die Schüler, die noch nicht abgeholt wurden, zugeht und sich mit ihnen lange unterhält oder ich von einer Lehrerin für ein Wochenende nach Hause eingeladen werde.
Das Schulwesen ist mit dem in  Deutschland nicht vergleichbar, z.B. werden hier die Naturwissenschaften wie Mathematik, Physik, Chemie und Biologie normalerweise auf Englisch unterrichtet, allerdings wird in meiner Klasse im Fach Biologie – wie in den restlichen anderen Fächer übrigens auch – Malaysisch gesprochen. Während die muslimischen Schüler an einer Art Religionsunterricht teilnehmen, gehe ich mit den chinesischen Schülern während dieser Zeit in einen allgemein gehaltenen Ethikunterricht. Die Stunden sollten eigentlich ohne Pause in einander übergehen, da das für die Lehrer aber praktisch nicht durchführbar ist (durch den Wechsel der Klassenräume), bleibt den Schülern zwischen den Stunden glücklicherweise eine kleine Verschnaufpause.
Um 11 Uhr gibt es dann schließlich eine  Mittagspause, in der wir das von zu Hause mitgebrachte Essen essen oder in die Schulkantine gehen. Dort gibt es üblicherweise Reis, den man wahlweise mit Ei, Fisch oder Hühnchen bekommen kann. Eine Mahlzeit kostet einen bis drei Ringgit, also umgerechnet ca. 25 bis 75 Cent. Die Mittagspause dauert 20 Minuten, danach haben wir noch einmal bis 14:15 Uhr Unterricht. Anschließend holt uns entweder mein Vater von der Schule ab oder wir fahren mit dem Bus zurück. So sind wir entweder um 14:30 Uhr oder 15:15 Uhr wieder zu Hause, wo wir dann noch einmal essen.
Am Nachmittag erledige ich Dinge wie Hausaufgaben, Wäsche waschen, Kochen lernen, Lesen, Computer, Zeichnen, Malaysisch und Mandarin lernen, mit meiner kleinen Schwester (Afifah, 11 Jahre alt) und ihren Freunden spielen und manchmal kommen uns auch Freunde aus der Schule besuchen. Abends wird dann wieder gemeinsam gegessen, meistens ist die ganze Familie beisammen und wir schauen noch ein wenig Fernsehen. Um ca. 23 Uhr gehen wir dann schlafen.
Da unser Dorf wenig Abwechslung bietet (es gibt 3 kleinere Lebensmittelgeschäfte) freue ich mich immer sehr auf die Wochenenden, an denen ich z.B. von Freunden abgeholt werde, bei ihnen übernachten darf und wir zusammen tolle Dinge unternehmen. Begeistert bin ich auch immer wieder von dem Einsatz des AFS-Komitees vor Ort, die uns Austauschschülern immer wieder ermöglichen einander zu treffen oder uns auch zu besonderen Ausflügen einladen (so habe ich z.B.  Langkawi, eine Inselgruppe – aus ca. 100 kleinen Inseln bestehend – besuchen dürfen und reise nächste Woche erneut mit AFS dorthin (davon wird mein nächster MRN-Bericht handeln)).
Außerdem werden wir voraussichtlich einen Ausflug in die Cameron Highlands machen.  Und immer wieder lerne ich auch die Freiheit schätzen, die es mir in Deutschland ermöglicht mich frei und unabhängig zu bewegen. Erstaunlich finde ich immer wieder wie schnell ich mich an die neuen Gegebenheiten hier in Malaysia gewöhnt habe.
Außerdem möchte ich noch ein bisschen von der Landessprache Malaysisch erzählen. Malaysisch ist eine nicht sehr bekannte Sprache, trotzdem wird sie von jedem elften Menschen auf der Welt verstanden, da sie Indonesisch sehr ähnlich ist. Malaysisch ist keine schwer zu erlernende Sprache, es gibt keine Artikel, Vergangenheit und Zukunft wird meist aus dem Zusammenhang erkannt oder man benutzt ein Signalwort, Verben werden nicht gebeugt. Ich verstehe schon relativ viel, wenn man sehr langsam mit mir spricht und einfache Wörter benutzt.
Von mir selbstgezeichnete chinesische Schriftzeichen, die wir an dem Tag gelernt haben.
Neben Malaysisch wird hier auch noch Mandarin und Hindu gesprochen und da viele Freunde von mir Chinesen sind, versuche ich auch Mandarin zu lernen. Allerdings ist Mandarin sehr schwer, nicht die Grammatik, sondern die Aussprache und die Vokabeln. Mandarin ist eine Silbensprache, das heißt, verschiedene Silben werden aneinandergesetzt und ergeben dann verschiedene Wörter. Außerdem haben die Silben meistens verschiedene Töne, es gibt insgesamt 5 Töne, die alle anders gesprochen werden und die Silben bzw. Wörter haben dann auch eine andere Bedeutung. Bisher übe ich nur die Aussprache und das ist wirklich nicht leicht. Ich lese einen Satz vor, probiere alles richtig zu betonen und trotzdem verstehen mich die Chinesen nur mit größter Mühe. Mandarin wird eigentlich auch mit Zeichen geschrieben, die zum Großteil ziemlich kompliziert sind. Es gibt aber glücklicherweise auch eine Schrift mit arabischen Buchstaben, mit der ich lesen übe.
Malaysia ist technisch sehr gut entwickelt, aber ich spüre – besonders da ich auf einem Dorf wohne – doch noch sehr stark ein ursprüngliches Denken. Viele Leute erzählen sich hier Gespenstergeschichten und glauben auch wirklich an Geister und Gespenster. Meine Schwägerin hat mir erzählt, dass man im Dunkeln nicht allein herumlaufen sollte, außerdem meint sie, dass es Geister gibt, die weiße Menschen fressen (auf meine Frage, warum gerade weiße Menschen, erklärt sie mir: Weil sie hier selten sind und deshalb besonders begehrt!). Ein anderer Austauschschüler darf nicht pfeifen, da das Geister anlockt. Allerdings lachen einige Malayen genauso wie ich darüber, aber es gibt eben auch sehr ängstliche und phantasievolle Menschen.
Wie schon oft in meinem Berichten erwähnt, spielt das Essen in Malaysia eine große Rolle, immer und überall wird einem etwas zu Essen angeboten und es ist sehr unhöflich dieses abzulehnen. Zudem wird das Essen wirklich sehr schmackhaft zubereitet. Da auf der anderen Seite die wenigsten Malayen Sport treiben und sich auch sonst – wie ich finde – äußerst ungern bewegen, bleibt es nicht aus, dass 50% der Frauen und 40% der Männer übergewichtig sind. Hinzu kommt, dass besonders die älteren Menschen immer noch der Meinung sind, dass ein gewisses Übergewicht für Wohlstand steht. Allgemein gesehen ist der Schlankheitswahn – wie wir ihn in Europa finden – hier kaum ausgeprägt.
Die malaysische Eins und ich vor dem Haus des Ministerpräsidenten.
Frauen haben – zumindest hier auf dem Lande – eher die Rolle der Hausfrau; es gibt auf dem Dorf vergleichsweise wenige Frauen, die außerhalb des eigenen Hauses arbeiten gehen. Ich erlebe die Malaysier alle als sehr offen, gastfreundlich und an mir interessiert. Das Motto von Malaysia ist Satu Malaysia ( “Ein Malaysia” ), was das Zusammenleben vieler verschiedener Kulturen unterstreichen soll und die Eins mit der malaysischen Flagge ist auch wirklich überall zu sehen. Malaysier sind nämlich sehr stolz auf ihr Land!
Außerdem wird am 2.9. der malaysische Unabhängigkeitstag (Merdeka) begangen. Da an dem Tag aber noch Hari Raya (Fest am Ende der Fastenzeit) war, wurde der malaysische Unabhängigkeitstag erst später gefeiert. In der Schule gab es eine Art Aktionstag, an dem man Spiele spielen konnte, es gab Vorträge, verschiedene Schüler haben gesungen und der Direktor hat eine lange Rede gehalten.
Alle AFS-Austauschschüler aus Perlis und unsere AFS-Betreuer im Haus des Ministerpräsidenten.
Malaysia ist eine parlamentarisch-demokratische Wahlmonarchie. Der König ist das offizielle Staatsoberhaupt, vergleichbar mit unserem Bundespräsidenten. Die eigentliche Regierung ist ähnlich wie unsere westlichen Demokratie aufgebaut: Dem Bundeskanzler von Deutschland entspricht in Malaysia der Premierminister. Dieser steht dem Kabinett vor. Das malaysische Kabinett ist in etwa vergleichbar mit unserem Kabinett. Das Parlament besteht aus Senat (entspricht Bundesrat) und Repräsentantenhaus (entspricht Bundestag). Genau wie in Deutschland (Landesregierung) gibt es in Malaysia auch Landesparlamente. An der Spitze des Landeskabinetts steht der Chief Minister. Trotz der Ähnlichkeiten der  politischen Systeme beider Länder wird in Malaysia das Gemeinwohl sehr viel höher als die individuelle Freiheit des Einzelnen gestellt – dieses steht im Gegensatz zur europäischen Auffassung des Demokratieverständnisses.
Hier ein Foto mit dem Ministerpräsident von Perlis (mit blauem Hemd in der Mitte).
Ein sehr beeindruckendes Erlebnis war für uns Austauschschüler eine persönliche Einladung des Ministerpräsidenten des Bundeslandes Perlis, Y.A.B. Dato’ Seri Dr. Md. Usa Bin Sabu. Während des Treffens, das im September stattgefunden hat, unterhielten wir uns über die Unterschiede der  verschiedenen Kulturen (Belgien, Italien, Malaysia, Deutschland) und deren Auswirkungen auf das Zusammenleben. Wir sprachen auch über unsere neu gewonnenen Erfahrungen in Malaysia. Außerdem bekamen wir die Gelegenheit den Chief Minister persönlich Fragen zu stellen, u.a. wie seine tägliche Arbeit aussieht und was er als Herausforderung in seinem Beruf sieht. Schließlich versprach uns der Chief Minister eine baldige Stadtführung, um weitere Einblicke in die malaysische Kultur zu bekommen. Dieses Treffen wurde von den Gasteltern einer Austauschschülerin in die Wege geleitet und war eine große Ehre für uns alle.
So, das war es jetzt erst einmal wieder von mir,
viele Grüße nach Deutschland,